B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

28.02.2006

Rosenmontagsumzüge im Lichte des Völkerrechts

Abgelegt in: Verschiedenes

Meine Liste mit Themen für Einträge in diesem Blog ist eigentlich schon lang genug: auf das von Rayson angerissene Thema “Google in China” eingehen, mit einem von großem Sachverstand getragenem und sich durch profunde Recherche-Tiefe auszeichnenden Beitrag über Guantanamo marcc besänftigen und zu einer weiteren Lektüre dieses Blog bewegen, mich meinem Steckenpferd Multikulturalismus und Integration widmen undsoweiter. Aus aktuellem Anlass stelle ich jedoch diese Themen zurück und widme meinen ersten Blog-Eintrag einem Ereignis in der Stadt, die mir seit ein paar Jahren als dauernder Aufenthaltsort dient.

Nichts ahnend und völlig vertieft in Gedanken über den Status der Kombattanten im Kriegsvölkerrecht bewegte ich mich - zivil gekleidet und unbewaffnet! - am Nachmittag des gestrigen Tages zu Fuß auf die Friedrichstraße zu, als urplötzlich um mich herum von Staatsdienern in grüner Uniform Straßensperren errichtet wurden. Im folgenden kam es zu einer Zusammenrottung von bunt gekleideten, zum Teil nicht unerheblich alkoholisierten Menschen, die leere Tüten, Säcke und andere Behältnisse mit sich führten. Sodann marschierten im abgesperrten Straßenbereich, begleitet von den oben erwähnten Staatsdienern, Personen beiderlei Geschlechts auf, die aufgrund ihrer Uniformierung und Bewaffnung eindeutig als Kombattanten im Sinne von Art. 1 und 2 Haager Landkriegsordnung, Art. 4 des III. Genfer Abkommens, Art. 43 ZP I zu erkennen waren. Bei den zur Verwendung gelangten Uniformen handelte es sich eindeutig nicht um solche der deutschen Bundeswehr, sodass ich davon ausging, Opfer der Aggression einer fremden Macht zu sein.

Die Kombattanten bewegten sich zumeist zu Fuß oder zu Pferd fort. Einige von ihnen hatten sich allerdings auf als solchen nicht gekennzeichneten Truppenfahrzeugen verschanzt. Aus sicherer Entfernung begannen sie sofort und ohne jede Vorwarnung, die sich am Straßenrand aufhaltenden Personen mit kleinen, zum Teil scharfkantigen Wurfgeschossen zu attackieren. Nach näherer Inaugenscheinnahme konnte ich feststellen, dass diese Wurfgeschosse zumeist zucker- und kakaohaltig waren; auch Gelatineklumpen in Tierform kamen zum Einsatz. Ich wurde mindestens zweimal von mehreren dieser Wurfgeschosse im Gesicht und am Oberkörper getroffen und hätte mich dadurch nicht unerheblich verletzen können!

Dass sich die Kombattanten nicht der von ihnen offen getragenen Waffen sondern dieser Wurfgeschosse bedienten, verstieß eindeutig gegen das völkerrechtliche Heimtückeverbot!

Nachdem ich eingesehen hatte, dass man sich nunmehr in diesem Land nicht nur im Theater, sondern auch auf öffentlichen Straßen und Plätzen seiner körperlichen Unversehrtheit und Wahrung seiner Menschenwürde nicht mehr sicher sein kann, kam der nächste Schock. Die Kombattanten wurden nämlich von zum Teil sehr leicht bekleideten oder vermummten Freischärlern unterstützt, die sich zu Fuß zwischen den Truppenfahrzeugen bewegten und ebenfalls die o.g. Wurfgeschosse zum Einsatz brachten. Diese Projektile entnahmen sie verdeckt mitgeführten Taschen. Dieses infame Verhalten stellte ebenfalls einen Verstoß gegen das Heimtückeverbot dar!

Um mein Selbstverteidigungsrecht auszuüben, sammelte ich einige der fehl gegangenen Wurfgeschosse auf und warf sie in Richtung der Angreifer zurück. Diese Versuche blieben jedoch ohne Erfolg und führten letztlich nur zu noch stärkerem Geschossausstoß, insbesondere von den Truppenfahrzeugen, aber auch von den Freischärlern.

Ich stand so unter dem Eindruck dieses Turbulenzgeschehens, dass ich erst nach ungefähr zwei Stunden, gegen 17 Uhr MEZ, auf das absonderliche Verhalten der sich um mich herum befindlichen Zivilbevölkerung aufmerksam wurde. Diese nämlich nahm weder ihr Recht auf Selbstverteidigung wahr, noch suchte sie sich dem Angriff durch Flucht zu entziehen; auch sonstige Gegenmaßnahmen ergriff sie nicht, sondern trachtete vielmehr danach, in den Besitz von möglichst vielen der Wurfgeschosse zu kommen und sie in die mitgeführten beutelartigen Behältnisse zu überführen. Ich entschloss mich, bei meinen vermeintlichen Leidensgenossen Erkundigungen über den Grund dieses befremdlichen Verhaltens einzuziehen.

Nachdem der Versuch der Kontaktaufnahme zu einigen Angehörigen der Ureinwohnerschaft wegen der aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums ihrerseits stark geminderten Kommunikationsfähigkeit mehrfach gescheitert war, fand ich schließlich doch jemanden, der auf Ansprache reagierte und zu einigermaßen schlüssigen Ausführungen bereit und in der Lage war.

Ich erfuhr, dass die Ureinwohner mit diesem Angriff gerechnet hatten und dass ihre einzige Gegenmaßnahme im Mitführen der erwähnten Behältnisse bestand. Dieser Aufmarsch sei auch keineswegs ein feindlicher Akt einer ausländischen Macht, sondern vielmehr ein periodisch wiederkehrender Höhepunkt des örtlichen Brauchtums, dem sogenannten Karneval.

Die Wurfgeschosse seien nicht nur zucker- und kakaohaltig, sondern tatsächlich auch zum Verzehr durch Menschen geeignet und bestimmt. Deshalb würden sie auch von den Ureinwohnern sowie von extra für dieses Ereignis aus dem ganzen Bundesgebiet, ja sogar aus dem Ausland Angereisten gesammelt, um sie zu einem späteren Zeitpunkt dem sich aus ihrer Verzehreigenschaft ergebenden Zwecke zuzuführen.

Erst durch diese umfassende Auskunft klärte sich für mich der Sachverhalt, denn von “Karneval” hatte ich schon gehört. Da ich in den zurück liegenden Jahren meines dauernden Aufenthaltes in dieser Stadt mir die entsprechenden Termine immer rot markiert und für eine Abwesenheit von den von dieser Brauchtumstumspflege besonders befallenen Örtlichkeiten Sorge getragen hatte, hatte ich bis gestern keine Kenntnis von dem, was sich an einem bestimmten Tag im Jahr hier abspielt. Ich wusste jedoch aus der Zeitung, dass insbesondere das Fernsehen sich einer umfassenden Berichterstattung dieses Ereignisses verschrieben hatte; der amerikanische Sender FOXNEWS hatte sogar angekündigt, sieben Live-Schaltungen vornehmen zu wollen. (Wer von der geschätzten Leserschaft sich dies nicht erklären kann, dem stelle ich anheim, die folgenden Suchbegriffe in die Suchmaschine seiner Wahl einzugeben: merkel, bush, mainz, 2005, rosenmontag bzw. “rose monday”)

Darob wesentlich entspannt, fand ich im folgenden Gelegenheit, mich näher mit der Gestaltung der Lastkraftwagen, die, wie ich nun wußte, keine Truppenfahrzeuge, sondern Umzugswagen waren, zu befassen. Siehe dazu den folgenden Eintrag “Düsseldorfer Rosenmontagszug: Die politischen Mottowagen - Einzelkritik”

[EDIT: hier zu finden]

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