B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

27.02.2006

Warum ich ein rückwärtsgewandter Konservativer bin

Abgelegt in: Politik

Wie ich das hasse, hier zum xten Mal über Liberalismus zu schwafeln. Langsam komme ich mich vor wie ein Angehöriger der Judäischen Volksfront.

Von Statler habe ich es schwarz auf weiß: Wenn ich das goutiere, was Norbert Bolz in diesem Artikel als Königsweg vorschlägt, bin ich ein Liberaler, ansonsten aber ein rückwärtsgewandter Konservativer. Also müssen wir wohl, einen Sozi haben wir ja schon an Bord, den Namen unseres Blogs ändern.

Klar: In einer liberalen Gesellschaft müssen Religionen Spott und Satire ertragen. Wenn es sich um starke handelt, können sie das auch locker nach dem Motto “Was stört es den Baum, wenn sich die Sau an ihm wetzt”. Aber dass eine liberale Gesellschaft nicht nur keine starken Bindungen fordere, sondern explizit schwache voraussetze, das findet nicht meinen Beifall. Eher im Gegenteil: Ich glaube, dass der Mensch ohne starke Bindungen verloren und es eine der Leistungen der liberalen Gesellschaft ist, das Individuum sich seine auch starken Bindungen selbst suchen und finden zu lassen. Natürlich immer unter der Voraussetzung, dass die Bindung des Einzelnen keine Freiheitsrechte Anderer tangiert.

Mir widerstrebt auch sehr, dass der Autor “Weltmarkt, Wissenschaft, Technik und Entertainment” als Ersatz-Religionen ins Feld führt. Damit widerspricht er nicht nur sich selbst (ist Konsumgeilheit etwa keine starke Bindung?), er reduziert auch die liberale Idee auf diese dürftigen Perspektiven, so als ob in einer liberalen Gesellschaft das menschliche Bedürfnis nach Transzendenz sich entweder auf diese Fragmente begrenzen müsste oder abzuwehren wäre.

Also wieder nur ein Beitrag, der aktuelle Konflikte als Vehikel für die unreflektierte Verbreitung eigener Glaubensaussagen missbraucht. Vielen Dank.

28 Meinungen »

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  1. Was darf ich mir unter starker bzw. schwacher Bindungen konkret vorstellen ?

    Kommentar von Klaus — 27.02.2006 @ 20:44 (UTC)

  2. Naja, man muß da glaube ich eine Unterscheidung machen zwischen dem, was das Individuum tut und dem, was die Gesellschaft zum Funktionieren braucht.

    Natürlich steht es jedem frei, in seiner privaten Sphäre auch starke Bindungen zu suchen — und wer macht das nicht? Aber der Kitt, der die Gesellschaft insgesamt zusammen hält, sind eher schwache Bindungen. Ähnlich ist es mit dem Bedürfnis nach Transzendenz. Natürlich kann das jeder für sich ausleben, wenn er das Bedürfnis hat. Aber es ist eben ein individuelles Problem und kein gesellschaftliches. Die Gesellschaft sollte keine vor Kritik und Wettbewerb geschützten Gehege schaffen für irgendwelche konkreten Angebote (Konfessionen), die dieses Bedürfnis befriedigen.

    Bolz’ vier “anti-apokalyptische Reiter” kann man dann natürlich als Ausdruck von Banalität lesen. Aber ich lese das eher als einen Ausdruck eines sich durchsetzenden Pragmatismus. Die großen, schweren Sinnfragen sind eben keine gesellschaftlichen Fragen mehr, sondern zum Glück individuelle Fragen. Wenn wir uns auf der gesellschaftlichen Ebene nur noch mit profanen Dingen beschäftigen, und das auf eine pragmatische Art und Weise, dann sollte uns das beruhigen. Einen besseren Schutz vor dem Totalitarismus der großen Gesellschaftsentwürfe gibt es doch gar nicht.

    Kommentar von statler — 27.02.2006 @ 20:44 (UTC)

  3. Ach der Bolz, der ärgert sich doch bloss, dass der Sloterdijk mehr als er als Keynote-Speaker gebucht wird. Aber wie wärs, wenn man jetzt als Retro-Con beschimpft wird? So von ver.di-Müllmännern.

    Apropos: Wo der Herr Statler gerade kommentiert: Mich treibt ein Frage um. Ist eigentlich das Einführen von Mindestlöhnen ein Äquivalent zum inflationären Drucken von Geld? Ich meine Ja, meine Kollegen hier überwiegend Nein.

    Kommentar von Hobe — 27.02.2006 @ 21:00 (UTC)

  4. @Klaus

    Frag Bolz. Ich halte von der Unterscheidung nichts.

    @Statler

    Die großen, schweren Sinnfragen sind eben keine gesellschaftlichen Fragen mehr, sondern zum Glück individuelle Fragen.

    Einverstanden. So lese ich Bolz aber nicht. Der will mir gerne vorschreiben, was für mich allein sinnstiftend zu sein hat.

    Kommentar von Rayson — 27.02.2006 @ 21:05 (UTC)

  5. @ Rayson
    Du schreibst: Ich glaube, dass der Mensch ohne starke Bindungen verloren [ist] - also was glaubst du, wie diese “starken Bindungen” aussehen sollten. Sind sie familiäre, religiöse, wirtschaftliche Bindungen ?

    Und wo steht bei Bolz (im verlinkten Artikel) was er dir vorschreiben will ?

    Kommentar von Klaus — 27.02.2006 @ 21:22 (UTC)

  6. @Klaus

    Sind sie familiäre, religiöse, wirtschaftliche Bindungen ?

    Zum Beispiel. Und du plenkst immer noch ;-)

    Und wo steht bei Bolz (im verlinkten Artikel) was er dir vorschreiben will ?

    Dritter Absatz. Zweitletzter Absatz.

    Kommentar von Rayson — 27.02.2006 @ 21:34 (UTC)

  7. Mir gefällt der Beitrag von Bolz auch nicht. Das Problem scheint mir zu sein, dass er auch den Westen über positive Werte (technischer Fortschritt) definieren möchte, anstatt das tatsächlich besondere am Westen hervorzuheben: Nämlich das Fehlen eines allgemeinverbindlichen Wertekerns, also die Freiheit (und wie viele Konservative befürchten die Verantwortung) des Einzelnen, die Werte nach denen er strebt selber für sich zu setzen.

    Ich glaube der rückwärtsgewandte Konservative ist eher Herr Bolz selbst.

    Kommentar von Dirk — 27.02.2006 @ 21:54 (UTC)

  8. @Hobe:
    Nein, ist es nicht. Inflationäres Drucken von Geld senkt die Reallöhne und sorgt damit (kurzfristig jedenfalls, bis dann so ein ÖTV-Scherge 15% Inflationsausgleich fordert) eher für höhere Beschäftigung. Mindestlöhne sind einfach nur ein geniales Programm um Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor zu beseitigen.

    @Rayson:
    Hmm, ich lese den Bolz anders. In dem Sinne, daß er sich hier mit den in einer Gesellschaft weitgehend geteilten “Sinnstiftern” beschäftigt, aber es dem Einzelnen natürlich überlassen bleibt, sich weitere zu suchen — nur dann eben ohne jeden Anspruch auf gesellschaftliche Durchsetzung dieses “privaten Sinns”, sozusagen.

    Kommentar von statler — 27.02.2006 @ 21:54 (UTC)

  9. @Dirk

    So sehe ich das auch.

    Kommentar von Rayson — 27.02.2006 @ 21:56 (UTC)

  10. @Statler

    Wenn das so eindeutig rüberkäme, ok. Tut es aber nicht, und Dirk ist mein Kronzeuge ;-)

    Kommentar von Rayson — 27.02.2006 @ 21:58 (UTC)

  11. Oh, noch einer.

    @Dirk: Aber das mit dem Fortschritt als allgemeines Charakteristikum westlicher/liberaler Gesellschaften mußt Du schon zugestehen. Aus der Offenheit, die ja wohl eine nicht verhandelbare Eigenschaft liberaler Gesellschaften ist, folgt automatisch, daß schon relativ wenige neugierige Individuen ausreichen, um ständig Neues zu produzieren und in die Gesellschaft einzuführen. Eine stationäre, von Neuem freie liberale Gesellschaft kann es nicht geben.

    Kommentar von statler — 27.02.2006 @ 21:58 (UTC)

  12. Was kümmern dich meine Satzzeichen ?

    Diese starken Bindungen sind, falls nicht freiwillig eingegangen, nur eine Art von starker sozialer Kontrolle. Eine Gesellschaft oder ein Staat, die Druck ausüben auf ihre Mitglieder/Bürger starke Bindungen einzugehen, sind wohl keine liberalen.

    Wo siehst du in der Feststellung von Bolz - Das können die kulturkonservativen Verteidiger des Westens offenbar nicht begreifen - eine Vorschrift ?

    Kommentar von Klaus — 27.02.2006 @ 22:00 (UTC)

  13. @ Statler
    Danke

    Kommentar von Hobe — 27.02.2006 @ 22:08 (UTC)

  14. @Statler

    Wollen wir uns darüber streiten, was notwendig und was hinreichend ist?

    @Klaus

    Um das freiwillige Eingehen geht es mir.

    Vorschrift natürlich nur dann, wenn ich weiter Liberaler sein möchte - nicht im Sinn einer alle verpflichtenden Regel.

    Kommentar von Rayson — 27.02.2006 @ 22:13 (UTC)

  15. Achja…

    @Klaus

    Reine Nächstenliebe. Von mir aus plenke so viel du willst.

    Kommentar von Rayson — 27.02.2006 @ 22:14 (UTC)

  16. Auch in der Natur gibt es starke Bindungen. Es gibt chemische Elemente, die geben sehr ungern Elektronen her, und sie nehmen auch keine an. Man nennt sie Edelgase. Es gibt sechs davon. Wobei sie nicht wirklich edel sind, sie sind unveränderlich und damit wertlos für das Leben.

    Aber es gibt auch die schwache Bindung, z.B. die Wasserstoffbrücke. Sie sorgt für Struktur und Vielfalt, z.B. bei Proteinen, DNA und RNA. Es gibt Millionen solcher für das Leben wertvoller Moleküle mit Wasserstoffbrückenbindungen.

    Kommentar von Klaus — 27.02.2006 @ 22:45 (UTC)

  17. Da lese ich fast den lieben langen Tag und immer an den falschen Stellen und zur falschen Zeit. Geht das überhaupt? Ja , wie man sieht:

    http://www.finger.zeig.net/?p=2214

    Kommentar von apollon — 27.02.2006 @ 22:51 (UTC)

  18. @Statler
    @Rayson

    Ich muss mich korrigieren: Beim nochmaligen Durchlesen des Artikels fällt mir auf, dass man ihn auch anders verstehen kann, als ich es zunächst tat.

    Der Autor führt den Fortschritt und die ökonomische Überlegenheit nicht unbedingt als Charakteristikum des Westens an, aber als “bestechend” überzeugende Waffe. Der Westen werde trotz der Demographie gewinnen, allein schon, weil seine ökonomischen Erfolge überzeugend sind.

    Ökonomie mache einen wesentlichen Teil der Stärke, d.h. der Anziehungskraft, des Westens aus, wenngleich sie nicht sein zentraler Wert sein mag.

    Kommentar von Dirk — 27.02.2006 @ 22:52 (UTC)

  19. @Klaus

    Egal - soll sich jeder seine Bindungen suchen.

    @Dirk

    Dann bleibe ich mit meinem Verständnis eben allein. Schön, dass man das als Liberaler darf . Normalerweise ;-)

    Kommentar von Rayson — 27.02.2006 @ 22:54 (UTC)

  20. @Rayson

    Wieso? Alles hängt davon ab, was Herr Bolz unter “Stärke” versteht. Den Sinn oder “nur” den Erfolg. Der Untertitel spricht von “stärksten Waffen”. Also muss nicht unbedingt die moralische Stärke gemeint zu sein, wie man vielleicht zunächst dem Kontext (Erwiderung auf Strauss) zu entnehmen glaubt.

    Naja, “klaglos” muss ein religiöser Mensch Spott auch nicht ertragen, nur gewaltlos.

    Kommentar von Dirk — 27.02.2006 @ 23:05 (UTC)

  21. @Dirk

    Meine Vorstellung vom Kontext habe ich verdeutlicht. Mag sein, dass man es anders lesen kann, aber wenigstens, welcher Widerstand entsteht, wenn man es anders liest, muss artikuliert werden.

    Kommentar von Rayson — 27.02.2006 @ 23:09 (UTC)

  22. @ Rayson
    Egal - soll sich jeder seine Bindungen suchen. - Diese Wahlfreiheit wollen doch “rückwärtsgewandte Konservative” einschränken, womöglich drastisch einschränken. Egal ob sie nun autoritäre Vorstellungen haben oder von einer Rechristianisierung träumen.

    Kommentar von Klaus — 27.02.2006 @ 23:17 (UTC)

  23. @Klaus

    Mag sein. Ist aber, soweit ich das sehe, weder das Thema von Bolz noch meins.

    Kommentar von Rayson — 27.02.2006 @ 23:27 (UTC)

  24. @Rayson, Nr. 23:
    Doch, Bolz’ Thema ist das implizit schon. Er greift ja Straußens jüngsten SPIEGEL-Essay an, in dem so eine Art Rückkehr ins Biedermeier als erstrebenswert erscheint.

    Kommentar von statler — 27.02.2006 @ 23:55 (UTC)

  25. Noch mal zu Bindungen: In dem amüsanten Film “My Big Fat Greek Wedding” wird die kleine WASP-Familie der riesigen griechischen Sippschaft gegenübergestellt.

    Bolz, so wie ich ihn verstehe, meint nun, dass die Mini-Familie die ökomischere sei, im Vergleich zur Menschenmenge an Verwandten, denen man - durch die Bindungen der Familienbande - verpflichtet ist und das zeitliche Überprüfen dessen, wer wann wem zu welchem Anlass was zu welchem Preis geschenkt hat.

    Er sagt also wieder mal etwas ganz Triviales, nämlich dass die Vetternwirtschaft (der Nepotismus) kein wirtschaftlich effizientes System ist.

    Kommentar von Hobe — 28.02.2006 @ 9:51 (UTC)

  26. @Hobe:
    Ich würde es eher andersherum sehen. In der Kleinstfamilie hast Du wenige, aber sehr enge Bindungen. Wird eine davon gekappt, bist Du möglicherweise aufgeschmissen. In der griechischen Variante hast Du sehr viele sehr schwache Bindungen, aber immer das gute Gefühl im Rücken, daß Du zur Not auch den Cousin dritten Grades in Thessaloniki um Hilfe bitten könntest — und nicht im Regen stehst, falls eine der Bindungen mal gekappt wird.

    Das ist der relative Vorteil von schwachen Bindungen, die man ohne großen Aufwand in größerer Zahl aufrecht erhalten kann, im Vergleich zu starken Bindungen, in die man viel investieren muß und von denen man daher nur weniger pflegen kann.

    Natürlich braucht letztendlich jeder Einzelne beide Arten von Bindungen. Aber eine Gesellschaft, die sich insgesamt eher auf schwache Bindungen verläßt, ist langfristig flexibler und anpassungsfähiger.

    Kommentar von statler — 28.02.2006 @ 10:27 (UTC)

  27. Ich nehme Prof. Bolz nicht ernst. Er gehört für mich in die Liga der zweitklassigen Medienprofessoren, die verbeamtet worden sind, weil sie NICHT über “Den Marxismus als einzig wahren Weg zur ewigen Glückseligkeit” promoviert hatten. Meistens sind sie nette Typen, mit den man in Studentenkneipen legale Drogen konsumieren kann. Und die immer schon ihr doppeltes Spiel gespielt haben. Die Typen, die von Sloti als “zynische Vernunft” charakterisiert wurden, die Typen, die in der empirisch-rationalen angelsächsischen Tradition als Bullshitter gelten.

    Besonders charakteristisch finde ich die Sponti-Attitüden mit den rethorischen Paradoxien, die lustig sein sollen. Bolz’ Artikel ist gespickt davon. “Multikulturelle Weltgesellschaft”, “die Ausgeschlossenen sind integriert”, “Wer den Dialog der Kulturen anbietet wird den Clash of Civilizations bekommen.” Blablabla.

    Ich stimme mit Rayson in der Wertung graduell überein: »nur ein Beitrag, der aktuelle Konflikte als Vehikel für die unreflektierte Verbreitung eigener Glaubensaussagen missbraucht«. Mein klitzekleiner Widerspruch: Bolz kennt keine eigenen Glaubensaussagen, Bolz ist zynisch und eitel bis ins Mark, Bolz kennt nur seinen eigenen Marktwert. Und der ist gefährdet, wenn jetzt auf einmal längst abgehalfert geglaubte Typen wie Botho Strauss recycelt werden.

    Aus der linken Tradition hat er sich die dialektische Rhetorik und den Glauben an den Fortschritt der Geschichte herausgeklaubt. Die “Moderne Gesellschaft”, was immer das sein mag, kommt allein fünfmal in seinem schmalen Text vor. Strauss und Schirrmacher werden als antimoderne Bedenkenträger diffamiert.

    Was mich nervt, ist diese adaptierte “Gib Geld, dann geht’s schon”-Thesen des McLuhans für Arme.

    Und ich glaube, das ist der Punkt, an dem auch Rayson kotzen musste:
    »Wer in der westlichen Welt erfolgreich ist, will sie nicht mehr zerstören. Schon deshalb müssen wir den wirtschaftlichen Erfolg der Moslems wollen.«

    Ein Argument wie von Schlingensief! Dass Bolz irgendwas mit Philosophie zu tun hat, tut mir nicht in der Seele, aber knapp neben dem Broca-Zentrum weh.

    Jetzt nochmal an Herrn Statler explizit: Auch in einer Großfamilie hat man die wenigen, sehr engen Bindungen an Mutter, Vater, Geschwister. Die sind ja nicht weg, weil man zusätzlich noch viele Cousins und Cousinen hat.

    Aber richtig flexibel sind natürlich die Gesellschaften, die auf keinerlei Familienbindungen Rücksicht nehmen. Und sie sind auch leistungsfähiger. Und sie sind schriftlich fixiert. Unglaublich modern ist immer noch die Benedikt-Regel. Ich war überrascht, wie stark sie unser heutiges Leben prägt. Man muss nur Gott durch Geld ersetzen, und schon kann man sich das ganze Max-Weber-Gesülze ersparen.

    Die klösterlichen Gemeinden mit den ganz flexiblen Bindungen haben sich in protestantischer Form in den Werbeagentur-Gesellschaften meiner Hansestadt erhalten. Und das ist wiederum das Milieu, in dem Prof. Bolz und Konsorten ihr Bischofsamt als Keynote-Speaker gegen Anfechtungen verteidigen.

    Wir müssen gar nichts wollen, schon gar nicht den “wirtschaftlichen Erfolg der Moslems”.

    Kommentar von Hobe — 28.02.2006 @ 20:03 (UTC)

  28. Ein paar Dinge muss es geben, über die wir im Westen nicht diskutieren:

    Konkret
    _____________________________

    Nicht verhandelbar

    Von Christoph Mörgeli

    Mit einem Johannes-Zitat eröffnete Papst Benedikt XVI. seine erste Enzyklika: «Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.» Ein charmanter und durchaus gewollter Kontrast zum muslimischen Mob, der gerne mal im Namen Allahs Botschaften abfackelt, jüdische Journalisten enthauptet oder «Ungläubige» verfolgt.

    Immerhin denkt Europa inzwischen wieder über sich selber nach. Wenn auch nicht ganz freiwillig. Denn der Islam ist längst im christlichen Abendland angekommen. Ganz konkret. In Fleisch und Blut. Aber nicht allein. Die europäischen Sozialstaaten ächzen generell unter der globalen Migration. Hier ist dann allerdings nicht die Kirche, sondern die Politik gefordert. Dialog suchen ja, aber immer im Lichte der realen Verhältnisse: Vierzig Prozent der ausländischstämmigen Jugendlichen in den Niederlanden sind ohne Job. Das türkisch geprägte Berliner Quartier Neukölln darf von sich behaupten, das grösste Sozialamt Europas zu beherbergen. In einzelnen Vorstädten Englands herrschen bereits die Gesetze der Scharia. 2005 wurden in Frankreich gut 45 000 Autos angezündet. Westeuropa sieht sich mit einem neuen Proletariat konfrontiert, das weitgehend importiert ist. Davon unbeeindruckt, fordert das links-grüne Polit-Establishment die totale Personenfreizügigkeit.

    Wer dies tut, nimmt den sozialen Kollaps mutwillig in Kauf. Was wir brauchten, ist eine strikt kontrollierte Zuwanderung. Schon heute haben wir statt einer Bedarfsimmigration eine Anspruchsimmigration: Nur ein Viertel aller langfristigen Einwanderer kommt aufgrund einer Erwerbstätigkeit in die Schweiz. Heirat und Familiennachzug bilden die grossen Kontingente. Zu viele Immigranten landen direkt im Sozialstaat, wie die überdurchschnittlichen Ausländerquoten bei der IV, der Sozialhilfe oder der Arbeitslosenkasse zeigen. Unser Wohlfahrtsstaat integriert die Menschen nicht, sondern überführt sie in die öffentlich finanzierten Fürsorgegettos. Solche Perversionen zerstören das Fundament unserer Gesellschaft.

    Nach innen muss dafür ein klar definiertes Wertegefüge wirken. Über Presse- und Meinungsfreiheit, über die Gleichstellung der Geschlechter und unsere Individualrechte brauchen wir keinen «interkulturellen Dialog» zu führen. Sie sind nicht verhandelbar – sondern durchzusetzen.

    Der Autor ist Historiker und SVP-Nationalrat

    Aus der «Weltwoche» Nr. 8.06

    Kommentar von Bleyli, Urs — 28.02.2006 @ 20:52 (UTC)

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