Noch mehr und noch schlimmeres Gebrabbel
Und dieses auch noch von einem, auf dessen Fall ich freundlicher- wenn auch indirekterweise vor Kurzem aufmerksam gemacht hatte.
Und nun muss ich im Nachhinein feststellen, dass Ralf Arnemann mit seinem Vorwurf der Dünnbrettbohrerei wohl ziemlich richtig liegt.
Hier kann man jedenfalls ein solch verschwurbeltes Geschreibsel zu Gesicht bekommen, dass einem schwindelig wird.
Die Grünen mögen dann nicht die anfangs noch erwartete Avantgardepartei der postmaterialistischen und postindustriellen Gesellschaft sein, sondern lediglich die Kohortengemeinschaft einer spezifischen, längst verblassten, da nicht weiter reproduzierten Kultur der Generation “Zaungäste”, wie der Essayist Reinhard Mohr die Nach-68er-Jahrgänge der Trittins, Künasts, Kuhns und Roths vormals charakterisiert hatte.
Klingt doch ganz doll wissenschaftlich mit all diesen spezifisch verblassenden Adjektiv-Kohorten, oder? Wer dampft den Inhalt mal auf einen einzeiligen Satz zusammen? Der Spon-Lektor hats nicht getan. Und der wird dafür bezahlt. Aber ich habe Mitleid mit ihm: Eigentlich hätte er dem Walter diesen Text in tutto um die Ohren hauen müssen. Das durfte er bestimmt nicht.
Es gibt noch mehr Geschwurbel:
Sie gewannen weiterhin überproportional viel Jungwähler hinzu, die in den Jahren der Friedens- und Anti-AKW-Demos bestenfalls im Kindergarten, vielfach nicht einmal embryonal vorhanden waren.
“nicht einmal embryonal vorhanden” - allein für dieses dümmliche Sprachbild gehört Göttingens Vorzeige-Politikwissenschaftler zwangsweise ein Privatlektor zur Seite gestellt.
Weiter:
Der ursprünglich erwartete kontinuierlichen Anstieg postmaterialistisch-alternativen Mentalitäten hat zwar keineswegs stattgefunden. Doch existiert in den modernen postindustriellen Gesellschaften gleichwohl ein stattliches Segment von Kultur-, Sozial- und Humandienstleistern, deren kommunikativ-partizipatorische und prononciert bildungsbürgerlich geprägte Lebensweise einer leicht elitären linkslibertären, auch kulturell expressiven Diskurspartei durchaus zugeneigt sind. Diese Sozial- und Mentalitätslage nährt und stabilisiert nach wie vor grüne bzw. linksliberale Parteien.
Sprachliche Achterbahn, mit coolen Bindestrich-Fremdwörtern als quietschende, ruckelnde Wägelchen.
Mentalitäten “steigen an”, “kommunikativ-partizipatorische Sozial- und Humandienstleister neigen sich “kulturell expressiven Diskursparteien” zu - es ist eine wahre Freude … : dass ich Wissenschaftler, die derartiges verbrechen, zukünftig nicht mehr mit meinem Steuergeld bezahlen muss.
Den Rest spare ich mir. Ist alles dieselbe, pseudowissenschaftliche Soße. Inhaltlich geht das nicht über die Aussage hinaus, dass die Grünen mal für diejenigen, die sich das leisten können, chic waren, wieder chic werden können, dass Chic-Sein aber keine sicheren Wahlergebnisse garantiert.
Herr Walter, vielen Dank für diese erschöpfende Auskunft zu Ihren “Forschungen”!

Mir fällt grad ein: Es ist doch Karneval!
Habe ich hier vielleicht fälschlicherweise eine Büttenrede der Göttinger Professorenschaft ernst genommen?
Kommentar von Boche — 27.02.2006 @ 15:54 (UTC)
Die Sprachkritik ist berechtigt.
Und es zeigt sich hier ganz exemplarisch eine typische Alt-68-er Verhaltensweise, nämlich über aufgeblasene Worthülsen von trivialen Aussagen abzulenken.
Denn wenn man den Text wirklich auf seine echten Aussagen reduziert stellt man fest, daß das alles völlig unbelegte Propagandathesen des Autors sind.
Die Grünen haben ihr Generationsproblem eben noch nicht gelöst, sondern genau diese Frage ist noch offen und steht in den nächsten Jahren an.
Und ob nun ausgerechnet “kritischer Diskurs” wirklich ein Kennzeichen von Grünen bzw. Grünwählern ist, kann man wohl bezweifeln.
Und hinter Wortgeklüngel wie “ein stattliches Segment von Kultur-, Sozial- und Humandienstleistern” steht ganz schlicht, daß Grüne ganz wesentlich ihren Lebensunterhalt im öffentlichen Dienst oder von öffentlichen Geldern finanzieren.
Über diese Frage und die Konsequenzen auf politische Standpunkte der Grünen könnte man ja als Soziologe bzw. Politikwissenschaftler fundiert forschen - das aber ist nicht Walters Ding.
Kommentar von Ralf Arnemann — 28.02.2006 @ 9:55 (UTC)