B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

24.02.2006

Bahn-Gedanken

Keine Sorge, der Schwenk ins Politische kommt….

Nun bin ich schon das zweite Mal zur Reise von Karlsruhe nach Hamburg aufgebrochen, und das zweite Mal hat der ICE aus Zürich erhebliche Verspätung. Bemerkenswert war hier der per Durchsage ausgelöste Informations-Overkill aufgrund ausufernder Servicementalität: “Der ICE [Litanei längst bekannter, aber im Wesentlichen überholter Daten] verspätet sich wegen einer Störung im Betriebsablauf um voraussichtlich 30 Minuten.” Was nichts anderes heißt, als dass der Zug später kommt, weil er sich verspätet hat. Muss neu für die Bahn sein.

Während ich da also frierend meine Kreise drehte, gingen mir solche Gedanken durch den Kopf:

  • Warum schreiben die “Abfahrtzeit”? Warum nicht “unverbindliche Abfahrtprognose”?
  • Streiks im Öffentlichen Dienst, Züge mit halbstündiger Verspätung - so langsam übertreiben wir es mit unserer Italien-Sehnsucht.
  • Ich weiß nicht, womit der Mehdorn an die Börse gehen will. Das Unternehmen, das gerade eins seiner wesentlichen Versprechen gebrochen hat, kann er nicht meinen.

Nun, endlich kam der Zug doch. Ich hatte - das ist man als Blogger schuldig - natürlich per Internet gebucht, aber der mir so zugewiesene Platz 41 im Wagen 3 (Großraum) war die Krönung. Rechts die Wand des Abteils, links die des Kleiderständers (da, wo sich sonst der Gangsitz befindet), direkt vor sich der Sitz 42: Die einzig mögliche Sitzhaltung wäre die eines Schwimmers vor dem Start gewesen. Da mir das über fünf Stunden ein wenig lästig geworden wäre, habe ich mich dann erfolgreich auf die Suche nach einem freien Platz im Abteilbereich gemacht.

Nächster Gedanke: Wann geht “Die Bahn” an die Börse? Wann kann ich die Put-Optionen erwerben?

Und jetzt wird’s politisch: So ein Saftladen kann nur existieren, weil er ein Monopol hat. Sollte nach dem vom abgebrochenen Riesen (nee, nicht Schröder - seinen Kumpel meine ich) angestrebten Börsengang dieses Viehtransporters tatsächlich der Wettbewerb über Bahndeutschland hereinbrechen, müssten alle Erwerber einer Bahnaktie zum Idiotentest: Wer solche krassen Fehlentscheidungen trifft, darf auch kein Kraftfahrzeug lenken. Und - bitte! - lasst diesen Chaoten nicht auch noch das Netz!

8 Meinungen »

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  1. nun … wettbewerb schadet nie. zumindest fast nie.
    aber die bahn ist nun mal ein natürliches monopol. subaddivität und irreversibilität sei dank. ein weiterer wettebwerber verteuere nur die produkte …

    Kommentar von Herr S. — 24.02.2006 @ 20:25 (UTC)

  2. Sehe ich natürlich anders. Zunächst mal müssten Netz und Betrieb getrennt werden, und dann ließen sich bestimmte Strecken wenigstens auf Zeit ausschreiben.

    Das Idealbild eines Wettbewerbs kriegen wir nicht immer hin, aber das heißt ja nicht, dass wir nicht so viel Elemente wie möglich versuchen sollten herüberzuretten.

    Kommentar von Rayson — 24.02.2006 @ 21:44 (UTC)

  3. teilstrecken werden doch schon privatisiert … z.b. die erfurter industriebahn … und die ist kein deut besser, als die bahn.

    liegt wohl an der branche …

    Kommentar von Herr S. — 25.02.2006 @ 9:20 (UTC)

  4. Ich fahre häufig Langstrecken mit der deutschen Bahn. Ich versuche generell Umsteigzeiten von >= 15 Minuten zu haben - sonst ist es echt viel zu unsicher den Anschluss zu bekommen. Kleine Verspätungen (== 60 Minuten ist tlw. schon die Anstrengung gar nicht mehr wert (20%, keine Erstattung von Reservierungen, ewig Anstehen um die Verspätung per Stempel bestätigt zu bekommen, langes Formular ausfüllen, wieder Anstehen um Formular abzugeben).
    Trotzdem: Für die meisten Langstrecken nehme ich bei wenig Gepäck deutlich lieber die Bahn als das Auto (obwohl ich damit sogar 1/4 schneller unterwegs bin). Mit Bahncard 50 ist das auch generell günstiger (was man bei größeren Reisegruppen nicht mehr behaupten kann).

    Die Privatbahn “Metronom” mit der ich zwei-drei mal durch Niedersachsen gefahren bin, fand ich besser (sauberer, Nichtraucherzug, mehr Begleitpersonal) als die vergleichbare DB - habe aber keine Ahnung wie pünktlich die ist - wird sich wahrscheinlich nicht viel tun.

    Wenn es vermehrt private Bahnunternhemen gibt, wird es sicherlich auch welche darunter geben die schlechter als die Bahn sind.

    Kommentar von googlehupf — 25.02.2006 @ 14:27 (UTC)

  5. Die “Privatbahn Metronom” ist noch ziemlich staatlich, wenn man genau hinschaut. Die staatlichen Anteile des größten Anteilseigners, der Osthannoverschen Eisenbahnen AG, stehen aber wohl demnächst zum Verkauf.

    Kommentar von Rayson — 25.02.2006 @ 14:40 (UTC)

  6. Vielleicht wäre “nicht-Monopolist-Bahn Metronom” besser gewesen ;) . Hab mir gerade auch mal die Eigentumsanteile auf der Unternehmensseite gesehen.

    Kommentar von googlehupf — 25.02.2006 @ 18:18 (UTC)

  7. Die Pünktlichkeit des Metronom teste ich jeden Tag, wenn ich zur Arbeit fahre. Und bis auf einige Ausnahmen ist der Zug max. 5 Minuten zu spät, meistens aber auf die Minute pünktlich.
    Wenn man mal zu spät in HH-Hauptbahnhof ankommt, liegt das meistens daran, dass der pünktliche Metronom auf Einfahrt in den Bahnhof warten muss.

    Von der Pünktlichkeit der DB-Züge vor der Zeit als der Metronom startete, sage ich jetzt nichts. Sonst schreibe ich mich wieder in Rage… ;-)

    Kommentar von Boche — 27.02.2006 @ 8:40 (UTC)

  8. Ich muß derzeit regelmäßig beruflich nach Leipzig.
    Da kann man von Frankfurt aus den ICE nehmen (3,5 Stunden) oder den Flieger (1 Stunde plus Eincheckzeit und Fahrt Flughafen-Innenstadt).

    Und da nehme ich wann immer es geht den Zug - es ist deutlich angenehmer und zuverlässiger als die Lufthansa-Sardinenbüchse.

    Allerdings könnte die Zugfahrt auch in zwei Stunden gehen - wenn nicht der Netz-Monopolist diverse Strecken (vor allem in Thüringen) in so miesem Zustand ließe, daß der ICE Bummelzugtempo fahren muß.

    Auf der vergleichbaren, aber gut ausgebauten Strecke Frankfurt-Köln schlägt der ICE sowohl Flugzeug wie Auto in jeder Beziehung.

    Kommentar von Ralf Arnemann — 27.02.2006 @ 9:46 (UTC)

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