B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

23.02.2006

Ziemlich frustriert …

Abgelegt in: Politik

… scheint Bassam Tibi von der Universität Göttingen im Speziellen und der deutschen Hochschullandschaft im Allgemeinen zu sein.

Ich kann die Geschichte nicht bewerten, weil ich sie nicht im Detail kenne. Die Sprache des Herrn von Figura (”Schwachstellen ausmerzen” zu wollen) finde ich aber auch ziemlich geschmacklos.

Und nach dem, was ich von Tibi bisher gelesen habe, scheint mir sein Weggang auf jeden Fall ein Verlust für Deutschland zu sein. Ich hoffe, die dafür möglicherweise Verantwortlichen stehen zur selben bzw. werden zu dieser gezogen.

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8 Meinungen »

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  1. Bcher Interessieren mich nicht

    Da deutsche Universitten nichts so sehr verabscheuen, wie Wissenschaft, ist ja nichts Neues mehr. Wie heftig diese Abneigung allerdings teilweise zum Ausdruck gebracht wird, ist schon erstaunlich….

    Kommentar von mentalschnupfen — 23.02.2006 @ 19:32 (UTC)

  2. Zur weiteren Erläuterung des Kontextes vorab ein Interview mit einem von Tibis Göttinger Kollegen:

    www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,394978,00.html

    Andernorts bin ich in meiner Eigenschaft als Student der Politikwissenschaft auf dem Hintergrund des Interviews um ein Kommentar zu Figuras Aussagen gebeten worden.

    Die Antwort lautete wiefolgt:

    - Walter, aber vor allem Lösche* genießen - soweit ich das als Nicht-Göttinger und jemand, dessen Schwerpunkt nicht auf Parteienforschung liegt, beurteilen kann - als Forscher (über ihre Lehre kann ich nichts sagen) einen guten Ruf. Jedenfalls ist mir bislang noch nichts Nachteiliges über die beiden zu Ohren gekommen.

    *Es dürfte, leicht übertrieben gesagt, kaum eine Parteienforschungsseminararbeit geben, in der der Name Lösche nicht auftaucht.

    Feuilletonpolitologe ist zwar eine gekonnte Beleidigung (soziologisches Äquivalent: soziologischer Schriftsteller), aber Medienpräsenz zeugt im Allgemeinen nicht automatisch von Vernachlässigung von Lehre und Forschung. Ich denke nicht, dass das die beiden trifft.

    - Bei Reese-Schäfer - von Theorie und Ideengeschichte verstehe ich mehr als von Parteienforschung - handelt es sich um ein sozialtheoretisches Brain. Jede politikwissenschaftliche (oder soziologische) Fakultät müsste kann freuen, ihn in ihren Reihen begrüßen zu können.

    - Tibi gilt aus Gründen der PC, manchmal nicht ganz zu Unrecht, als umstritten. Ob er als IBler (Internationale Beziehungen und Außenpolitik) etwas auf der Pfanne hat, kann ich nicht sagen. Als IBler ist er jedenfalls nicht in den Medien präsent.

    Fazit: Selbst sich wenn meine leichte Skepsis gegenüber Tibi als berechtigt erweisen würde, die Kombination Walter - Lösche - Reese-Schäfer - Tibi ist jedenfalls eine grottenschlechte Begründung dafür, den Laden dicht zu machen

    Kommentar von Patentizität — 24.02.2006 @ 0:52 (UTC)

  3. Die Kritik des Uni-Rektors richtet sich wohl eher gegen die parteipolitischen Dünnbrettbohrereien des Herrn Walter, der ist ja auch der große Wortführer gegen die neue Schwerpunktsetzung der Uni (siehe Spiegel-Interview).

    Mein Eindruck ist, daß Bassam Tibi nur am Rande bei diesen Konflikten eine Rolle spielt (eben weil er sowieso an der Pensionsgrenze ist).
    Ganz offensichtlich ist er aus Gründen, die seinen Klagen nicht objektiv zu entnehmen sind, Einzelkämpfer geblieben. Es scheint schon plausibel, daß die Uni die isoliert von ihm vertretene Position nicht als Forschungsschwerpunkt weiterführen kann und will.

    Kommentar von Ralf Arnemann — 24.02.2006 @ 10:29 (UTC)

  4. Die Kritik des Uni-Rektors

    Ich bin zwar kein Gegner von Polemik, mit Kritik haben seine Äußerungen allerdings wenig zu tun.

    richtet sich wohl eher gegen die parteipolitischen Dünnbrettbohrereien des Herrn Walter,

    Deine Empathie mit Herrn Figura in Ehren, aber was ihn genau reitet, bleibt schleierhaft. Und was an Herrn Walters hochschulpolitischen Vorstellungen, die man ja kritisieren könnte, parteipolitische Dünnbrettbohrerei sein soll, auch.

    Der Mann wird jedenfalls in der Politologenszene als Wissenschaftler auch von Leuten ernst genommen, die politisch rechts von ihm stehen und betreibt keine Gesinnungslehre.

    der ist ja auch der große Wortführer gegen die neue Schwerpunktsetzung der Uni (siehe Spiegel-Interview).

    Figura hat die (positiv evaluierte) Fakultät als Ganzes unter Beschuss genommen und, ohne dies zu begründen, der Professorenschaft die wissenschaftliche Kompetenz abgesprochen.

    Es scheint schon plausibel, daß die Uni die isoliert von ihm vertretene Position nicht als Forschungsschwerpunkt weiterführen kann und will.

    Dass es z.B. Paralellgesellschaften gibt und diese im politikwissenschaftlichen Rahmen erforscht werden sollten*, ist keine von Tibi isoliert vertretene Position mehr.

    *Siehe auch Walter im Interview; was ihn nicht als linken Ideologen ausweist.

    Kommentar von Patentizität — 24.02.2006 @ 14:31 (UTC)

  5. > Deine Empathie mit Herrn Figura in Ehren …
    Eine solche Empathie gibt es nicht. Ich kenne Figura nicht, will und kann auch seine generelle Arbeit oder seine Vorstellungen von Uni-Reform nicht kommentieren.
    Ich habe hier lediglich den Eindruck, daß der wesentliche Konflikt zwischen Figura und Walter besteht, und Tibi nur sehr indirekt betroffen ist.

    > Der Mann wird jedenfalls in der Politologenszene
    > als Wissenschaftler auch von Leuten ernst genommen
    Das spricht dann vielleicht gegen die Politologenszene.
    Generell läßt es mich kalt, wenn irgendwelche mir unbekannten Szene-Angehörigen einen der ihren loben.
    Was ich beurteilen kann, das sind diverse politische Kommentare Walters, die mir in den letzten Jahren aufgefallen sind.
    Und die waren sehr oft auf einem platten (linken) Stammtisch-Niveau - der Mann ist ein vorurteils-behafteter Schwätzer.
    Auch wenn das Äußerungen in einem Uni-externen Bereich waren (meist im Spiegel oder im Fernsehen) - so agiert kein seriöser Wissenschaftler.
    Sollte Figuras Kritik darauf beruhen (dafür spricht einiges), dann ist sie berechtigt.

    > ist keine von Tibi isoliert vertretene Position mehr.
    Mißverständnis.
    Ich redete nicht von Tibis inhaltlichen Positionen (die ich sehr schätze!), sondern von seiner persönlichen Situation in Göttingen.
    Und seinen eigenen Darstellungen ist zu entnehmen, daß die von Anfang an schwierig war und er sich seit seit Jahrzehnten in der Göttinger und allgemein der deutschen Wissenschafts-Landschaft isoliert sieht.
    Die Gründe dafür kann ich nicht beurteilen. Vielleicht wurde er wirklich wie von ihm empfunden gemobbt, vielleicht ist er auch persönlich nicht team-fähig - soll ja gerade bei brillanten Leuten vorkommen.

    Auf jeden Fall präsentiert sich die Göttinger Politologie nicht als funktionierender Fachbereich - Tibi ist dort offenbar ein Einzelkämpfer, der nun in Ruhestand geht.
    Daher halte ich es für plausibel, daß die Uni Göttingen mit guten Gründen hier keinen Schwerpunkt mehr setzen möchte.

    Kommentar von Ralf Arnemann — 24.02.2006 @ 14:52 (UTC)

  6. Das spricht dann vielleicht gegen die Politologenszene.
    Generell läßt es mich kalt, wenn irgendwelche mir unbekannten Szene-Angehörigen einen der ihren loben.

    Es handelt sich hierbei nicht um eine verschworene Gemeinschaft.

    Dementsprechend gibt es hier Personen, die, wie ebenso in anderen Wissenschaftsszenen, mithin vollkommen unabhängig vom politisch-normativen Koordinatensytem der jeweiligen dozierenden oder studierenden Betrachter, nicht für voll genommen werden.

    Auf Walter trifft dies nicht zu.

    Was ich beurteilen kann, das sind diverse politische Kommentare Walters, die mir in den letzten Jahren aufgefallen sind.
    Und die waren sehr oft auf einem platten (linken) Stammtisch-Niveau - der Mann ist ein vorurteils-behafteter Schwätzer.
    Auch wenn das Äußerungen in einem Uni-externen Bereich waren (meist im Spiegel oder im Fernsehen) - so agiert kein seriöser Wissenschaftler.
    Sollte Figuras Kritik darauf beruhen (dafür spricht einiges), dann ist sie berechtigt.

    Wieso beleidigt Figura dann im Plural und will den ganzen Laden dicht machen? Zumal sich Lösche und Tibi nicht durch eine geringere Medienpräsenz auszeichnen.

    Darüber hinaus kann ein Politikwissenschaftler seine politisch-normative Privatmeinung in den Medien kundtun wie er lustig ist.

    Dies wird nach in der Politikwissenschaft mehr oder weniger allgemeingültigen Maßgaben erst dann problematisch, wenn seine Lehrveranstaltungen in erster Linie aus politisch-normativer Privatmeinung bestehen oder er aufgrund von Medienpräsenz seine Aufgaben als Hochschullehrer vernachlässigt.

    Ich habe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass das Eine oder das Andere auf Walter zutrifft.

    Auch bin ich nicht unbedingt ein Fan des politischen Kommentators Franz Walter.

    Auf jeden Fall präsentiert sich die Göttinger Politologie nicht als funktionierender Fachbereich

    Wie präsentiert sich ein funktionierender Fachbereich?

    Indem seine Dozenten auf Beiträge in der Medienöffentlichkeit verzichten?

    Oder gar indem er als Reaktion auf unsubstantiierte Kollektivschmähungen des Uni-Präsidenten die Füße still hält?

    - Tibi ist dort offenbar ein Einzelkämpfer, der nun in Ruhestand geht.

    Woher weißt du das?

    Daher halte ich es für plausibel, daß die Uni Göttingen mit guten Gründen hier keinen Schwerpunkt mehr setzen möchte.

    Die guten Gründe stehen immer noch ins Haus.

    Sich über Kommentare von Franz Walter zu echauffieren, ist jedenfalls noch nicht mal einer.

    Wenn das bloße Echauffieren über massenmediale Kommentierungen eines Mitglieds einer politikwissenschaftlichen Fakultät der Maßstab für die Schließung von Fakultäten für Politikwissenschaft wäre, dann gäbe es in diesem Lande wahrscheinlich keine einzige politikwissenschaftliche Fakultät mehr.

    Wobei man in diesem Zuge auch um die Existenz anderer Fachbereiche wie Wirtschaftswissenschaft, Orientalistik oder Rechtswissenschaft bangen müsste.

    Aus guten Gründen könnten dann Fachbereichen mit einer vergleichsweise geringen Affinität zur massenmedialen Öffentlichkeit, wie z.B. Mathematik oder Sinologie, die größten Überlebenschancen eingeräumt werden.

    Kommentar von Patentizität — 24.02.2006 @ 16:44 (UTC)

  7. > Wieso beleidigt Figura dann im Plural …
    Ich vermute mal, weil er mehrere meint.
    Und Figura wird wohl auch alle Göttinger Professoren kennen.
    Ich kenne nur Walter, und da hat Figura recht.

    > Darüber hinaus kann ein Politikwissenschaftler seine
    > politisch-normative Privatmeinung in den Medien kundtun
    > wie er lustig ist.
    Selbstverständlich.
    Aber was er da erzählt, läßt selbstverständlich Rückschlüsse zu auf seine fachliche Qualifikation.
    Immerhin tritt er explizit als “Politikwissenschaftler” auf und verkauft seine Stammtisch-Parolen als “wissenschaftlich fundiert”. Da kann er sich nicht auf ein Szenario rausreden der Art: “Als Privatmann erzähle ich den Medien Unsinn, aber im Dienst bin ich viel schlauer”.

    > Wie präsentiert sich ein funktionierender Fachbereich?
    Nicht so, wie Tibi das beschreibt.

    >> - Tibi ist dort offenbar ein Einzelkämpfer, der nun in
    >> Ruhestand geht.
    > Woher weißt du das?
    Steht alles in Tibis Beitrag, den Boche eingangs verlinkt hat. Der ist die Basis dieser Diskussion hier.

    > Wenn das bloße Echauffieren über massenmediale
    > Kommentierungen eines Mitglieds einer
    > politikwissenschaftlichen Fakultät der Maßstab für die
    > Schließung von Fakultäten für Politikwissenschaft wäre,
    Ach Quatsch.

    Die genauen Details dieser Schließungsentscheidung kennt hier keiner.
    Es stehen zwei Meinungen gegeneinander. Figura spricht von Qualitätsmängeln, Walter von politischen Intrigen.

    Die Qualitätsmängel kann ich (zumindestens bei Walter) feststellen, also halte ich die Figura-Version für plausibel. Mehr läßt sich hier nicht feststellen.

    Kommentar von Ralf Arnemann — 28.02.2006 @ 9:47 (UTC)

  8. Die Qualitätsmängel des Herrn Walter habe ich nun auch kennengelernt und verweise auf meinen diesbezüglichen Artikel.

    Kommentar von Boche — 28.02.2006 @ 9:53 (UTC)

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