B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

16.02.2006

Leseempfehlung

Abgelegt in: Linktipps

Das Wort “Karikaturenstreit” kann ich langsam nicht mehr sehen, ohne schlagartig zu ermüden.
Der Worte sind genug gewechselt - die Islamfaschisten ziehen ihre Propaganda-Show ab. Und der Westen (siehe Solana, siehe Grass, siehe FDP, siehe …) sondert beschwichtigenden oder gleich ganz hanebüchenen Unsinn ab und wankt unter den Einschlägen der organisierten “Wut”attacken.

Trotzdem:
Was Ulrich Speck, das Thema zusammenfassend, in seinem Kosmoblog schreibt, ist höchst lesenswert!
Eine solch klare Analyse und die sich daraus ergebende Haltung wünschte man sich von Seiten unserer politischen Repräsentanten.

16 Meinungen »

Die URI für ein TrackBack zu diesem Artikel lautet: http://streiflicht.blogsome.com/2006/02/16/leseempfehlung/trackback/

  1. Natürlich wie immer lesenswert. Aber man sollte sich die Sache nicht zu einfach machen. “Freiheit” z.B. ist für einen gläubigen Muslim, und um diese handelt es sich in den arabischen Ländern mehrheitlich, etwas anderes als für einen europäischen Liberalen.

    Was für mich bestehen bleibt, ist der Sieg der Gewalt, der mit Respektsgeheuchel verbrämt wird.

    Kommentar von Rayson — 16.02.2006 @ 12:32 (UTC)

  2. Ich glaube schon, dass Freiheit universell attraktiv ist. Die freiheitsfeindlichen Inhalte muslimischen Glaubens dürften unter dem “Beschuss” einer freiheitlichen Umwelt recht schnell ihre Macht verlieren.
    Viele Berichte über die Jugend des Irans lassen doch einem (natürlich vorsichtigen) Optimismus Raum.

    Kommentar von Boche — 16.02.2006 @ 12:37 (UTC)

  3. Woher nimmst du deinen Optimismus? Die gläubigen Muslime, die ich bisher kennen gelernt habe, fanden unsere Form von Freiheit nicht besonders attraktiv. Da war für sie viel zuviel Sünde im Spiel. Im Denken dieser Menschen spielt die Religion eine ungeheure Rolle, ihr Anspruch bis in die Politik hinein ist akzeptiert.

    Wenn es wirklich zu freien Wahlen in den Despotenregimen käme, würden dort Islamisten regieren.

    Beim Iran müssen wir sehr vorsichtig sein. Wie frei waren die Wahlen, in denen dieser üble Extremist an die Macht kam? Verwechseln wir die Attraktivität westlicher Symbole für gebildete städtische Jugendliche mit einer Bereitschaft zur Übernahme der westlichen Werte für die gesamte Gesellschaft? Und selbst diese Fragen hoffnungsfroh beantwortet: Der Iran ist kein arabisches Land, und die Schiiten sind als historische Minderheit auch eher der tolerantere Zweig des Islam (auch wenn die Praxis der persischen Mullahs etwas anderes nahelegt).

    Kommentar von Rayson — 16.02.2006 @ 13:00 (UTC)

  4. “Woher nimmst du deinen Optimismus?”

    Ich glaube, er ist mir angeboren und wurde ‘89 in meiner Gedankenwelt festgezurrt. ;-)

    “Die gläubigen Muslime, die ich bisher kennen gelernt habe, fanden unsere Form von Freiheit nicht besonders attraktiv.”

    Ich vermute, dass diese Muslime hier lebten und diese Freiheit (die ja gelegentlich auch von deutschen Nicht-Muslimen gering geachtet wird) trotzdem genossen?
    Abgesehen davon könnte ich aus meinem Umfeld auch muslimische Gegenbeispiele bringen.

    Dass in den Diktaturen Arabiens bei freien Wahlen vor allem Islamisten an die Macht kämen, könnte auch schlicht daran liegen, dass diese fast als einzige Alternative zum Diktator übrig geblieben sind. Die säkuläre, liberale Opposition wurde zwischen Herrschenden und Islamisten zerrieben.

    “Beim Iran müssen wir sehr vorsichtig sein. Wie frei waren die Wahlen, in denen dieser üble Extremist an die Macht kam?”

    Wohl nicht frei. Wenn schon die Kandidatenauswahl vorgegeben ist. Mir sind Zahlen in Erinnerung (ohne jetzt gleich die Quelle nennen zu können), die von 20% der Stimmen für den Präsidenten sprachen. Das wäre kein allzu großer Rückhalt, oder?

    Und selbstverständlich sollte man nicht von der modernen, städtischen Jugend auf das ganze Land schließen. Allerdings stellt die Jugend im Iran die Bevölkerungsmehrheit.
    Und der Konsens einer Gesellschaft - wird der nicht meistens von den gebildeten, modernen Städtern bestimmt?

    Jordanien und die muslimischen Staaten Asiens könnten vielleicht Beispiele für gemäßigte sunnitische Gesellschaften sein, oder?

    Kommentar von Boche — 16.02.2006 @ 13:19 (UTC)

  5. Kann ich mir das folgende Zitat aufheben? Es trifft nämlich für mich auch zu …
    Optimismus: Ich glaube, er ist mir angeboren und wurde ‘89 in meiner Gedankenwelt festgezurrt.

    Die Wahlen waren nicht wirklich frei (siehe Kandidatenauswahl), aber trotzdem hat letztlich der jetzige Präsident gewonnen. Dagegen kann man erst mal wenig sagen. Der Kontrahent wäre vielleicht etwas vernünftiger gewesen …

    Kommentar von stefanolix — 16.02.2006 @ 13:41 (UTC)

  6. “Kann ich mir das folgende Zitat aufheben?”

    Klar. Hier wird sozusagen eine Open-Source-Schreibe praktiziert. ;-)

    Kommentar von Boche — 16.02.2006 @ 13:44 (UTC)

  7. Es war eher interessant und mich nachdenklich stimmend, dass ich die Muslime, die ich meinte, an unterschiedlichen Orten (also z.B. auch in Ägypten) antraf und sie unterschiedlicher Nationalität waren.

    Es waren auch keine Heuchler, die sich selbst etwas herausgenommen hätten, was sie anderen nicht zugestehen würden.

    Die säkuläre, liberale Opposition wurde zwischen Herrschenden und Islamisten zerrieben.

    Ja. Aber das ist doch genau mein Punkt. Liberalismus ist in den arabischen Ländern eine Sache von wenigen Intellektuellen ohne großen Kontakt zum Volk.

    Ich bin mir nicht sicher, ob wir die Reformbemühungen im Iran nicht aufgrund selektiven Sehens überschätzen. Dass die gebildeten Städter dominieren, würde ich in dieser Generalform noch nicht einmal für die osteuropäischen Länder behaupten… Aber der Schwerpunkt meiner Argumentation liegt ja von Anfang an auf der “arabischen” Welt. Iran ist zwar wegen seines Drangs zu den Atomwaffen im Moment das größere Problem, aber auch ein singulärer Fall in jeder Hinsicht.

    Was Jordanien betrifft, weiß ich nichts Genaues. Der Staat scheint mir aber wirklich zu klein zu sein, um aus ihm Beispielhaftes ableiten zu können. Das östliche Asien ist natürlich ein ganz anderes Kapitel.

    Kommentar von Rayson — 16.02.2006 @ 13:52 (UTC)

  8. Wir werden den Blog an unserem neuen Ort mal unter eine “Creative Commons”-Lizenz stellen…

    Kommentar von Rayson — 16.02.2006 @ 13:53 (UTC)

  9. “Ja. Aber das ist doch genau mein Punkt. Liberalismus ist in den arabischen Ländern eine Sache von wenigen Intellektuellen ohne großen Kontakt zum Volk.”

    Aber die Frage ist doch trotzdem, ob das nicht auch einfach daran liegt, dass der Liberalismus nicht im Angebot ist. Weil er (gewaltsam) ins Exil oder die Gefängnisse getrieben wurde.

    Grundsätzlich ist es aber sicher schwer zu entscheiden, ob Pessimismus oder Optimismus angebracht sind bzw. auf welcher Seite der beiden der Realismus eher zu verorten wäre.

    Kommentar von Boche — 16.02.2006 @ 14:07 (UTC)

  10. An Eurer differenzierten Diskussion kann man mal wieder sehr schön sehen, was für elitäre Besserwisser Blogger doch sind (von Blog-Kommentatoren ganz zu schweigen) ;-) .

    Macht es doch lieber wie Clemens Wergin, der sich (m.E. zu Recht) darüber beschwert, dass Thomas Assheuer den Begriff “liberaler Fundamentalismus” verwendet, um zu erklären, warum “der” Islam “den” Westen nicht mag.

    Beide schmeissen alle Begriffe, derer sie habhaft werden können, in einen grossen Topf und servieren halbgar ohne umzurühren. Das ist doch dann viel lesbarer als das, was ihr hier macht (kleiner Scherz).

    Aber immerhin hat Herr Wergin endlich, endlich das Wesen des “wahren” Liberalismus identifiziert: schlaffe Entspanntheit. Oder war’s entspannte Schlaffheit?

    Kommentar von Marian Wirth — 16.02.2006 @ 16:07 (UTC)

  11. Ich komme aber nicht umhin, im Artikel von Wergin weit mehr Sinnvolles zu finden als bei seinem Konterpart in der “Zeit”.

    Kommentar von Rayson — 16.02.2006 @ 18:16 (UTC)

  12. Einverstanden. Aber das ist auch nicht besonders schwer, oder? Dafür ist der ZEIT-Artikel einfach zu dämlich. So eine verkürzte und negative Liberalismus-Definition lege ja noch nichtmal ich zugrunde.

    Kommentar von Marian Wirth — 16.02.2006 @ 18:26 (UTC)

  13. Ich muss im F.A.Z.-Feuilleton schon immer den marxistischen Mist eines Dietmar Dath aushalten, aber ich fürchte, das Zeit-Feuilleton würde mich den Glauben an intelligentes Leben unter Intellektuellen verlieren lassen.

    Kommentar von Rayson — 16.02.2006 @ 18:38 (UTC)

  14. Ich habe mir gerade auch nal den Artikel von Assheuer zu Gemüte geführt.

    Mensch, muss ich mal kennenlernen solche Liberale “die auch zwischenmenschliche Beziehungen unters Joch von Kosten und Nutzen” zwingen. Scheint ja ne interessante Truppe zu sein.

    Darf man sich jetzt eigentlich auch innerlich tief beleidigt und verletzt fühlen?

    Kommentar von googlehupf — 16.02.2006 @ 20:38 (UTC)

  15. > Darf man sich jetzt eigentlich auch innerlich tief
    > beleidigt und verletzt fühlen?
    Gute Frage.
    Ich würde schon mal sagen: Wenn sich die Redaktion der ZEIT und der Hamburger Senat sich nicht schleunigst entschuldigen, wäre ein Abfackeln des Zeitungsgebäudes legitime Reaktion.

    Kommentar von Ralf Arnemann — 17.02.2006 @ 9:41 (UTC)

  16. Ralf,

    wenn schon, dann kommt aber vorher noch die Rundreise in Delegationsstärke mit gefälschten ZEIT-Kommentaren.

    Und die Idee, das Büro von Josef Joffe gleich mit einzuäschern, wird wohl kaum auf ungeteilte Zustimmung stossen…;-)

    Kommentar von Marian Wirth — 17.02.2006 @ 13:18 (UTC)

RSS-Feed für Meinungen zu diesem Beitrag.

Deine Meinung

Folgender HTML-Code ist erlaubt:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

Deine e-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wir behalten uns vor, Beiträge zu moderieren, wenn sie Werbung, Beleidigungen
oder ähnlich Unangenehmes enthalten.
Hinweis:
Unser Spam-Filter hält manchmal auch normale Beiträge zurück. Macht euch deshalb bitte nicht die Mühe, eure Kommentare zweimal zu verfassen oder abzusenden. Wenn ein Kommentar nicht gleich erscheint, ist er nicht verloren.
Wir werden ihn dann schnellstmöglich veröffentlichen. Danke für euer Verständnis!


Get free blog up and running in minutes with Blogsome | Theme designs available here