Richtige und falsche Parallelen
Im Karikaturen-Konflikt konnte es natürlich nicht ausbleiben, dass auch Parallelen zum Christentum gezogen werden.
Fühle ich mich als Christ beleidigt, wenn meine Religion verspottet wird? Eine schöne Antwort darauf findet sich im rueckenwind. Für alle, die das vielleicht nicht verstehen: Könnte denn eine schlaffe Couchpotato den gut durchtrainierten Körper eines Fitness-Anhängers beleidigen?

Beleidigt fühlt man sich nicht, aber man leidet Existenzängste. Es ist schliesslcih schon von großem Nutzen, wenn alle Menschen an dasselbe glauben und sich gegenseitig in der Wahrheit dessen vergewissern.
Aber Du hast Recht, der Zorn entstammt immer der Ungewissheit.
Kommentar von Dirk — 6.02.2006 @ 23:03 (UTC)
Es ist schliesslcih schon von großem Nutzen, wenn alle Menschen an dasselbe glauben und sich gegenseitig in der Wahrheit dessen vergewissern.
Hm - wenn ich wirklich glaube, ist mir egal, wieviele andere das auch tun. Glaube ist kein Ergebnis einer Abstimmung. Vielleicht mag es den einen oder anderen bestärken, wenn er Brüder im Geiste findet, aber ausschlaggebend kann es nicht sein.
Wobei ich als jemand, dessen Kirche da, wo er wohnte, immer in der Minderheit war, das vielleicht etwas anders sehe als ein römischer Katholik in Altötting. Vielleicht.
Kommentar von Rayson — 6.02.2006 @ 23:11 (UTC)
Ich behaupte mal, diese völlige Gelassenheit ist auch bei Christen eher selten. In einer polnischen Kneipe sollte man keine Witze über den Papst reißen (schon gar nicht über Woytyla) und in Belfast sollte man in der Shankill Road auch nicht mit einem Papst-T-Shirt rumlaufen. Bei einem KuKluxKlan-Gottesdienst sollte man sich auch nicht als schwuler Jude outen
Ein paar Jahrzehnte relativer Ruhe unter den Christen überzeugen mich noch nicht von deren Ungefährlichkeit …
Kommentar von Klaus — 6.02.2006 @ 23:22 (UTC)
In der polnischen Kneipe wäre u.a. deine intellektuelle Fähigkeit gefragt, zwischen Religion und Nationalismus zu unterscheiden. Aber reiß da ruhig mal einen Witz über Benedikt XVI. Ich gehe jede Wette, dass du im schlimmsten Fall aus der Kneipe geworfen wirst (wenn du dich nicht als Deutscher zu erkennen gibst, aber das ist eben wieder die andere Baustelle…). Es wird aber keiner das Verlangen empfinden, dich umzubringen.
Und bitte - kein Christ dieser Welt, abgesehen von sich als solche verstehenden irischen Nationalisten und rassistischen US-Amerikanern, aber angefangen im Vatikan, wird je ein Problem haben, deren Taten aufs Schärfste zu verurteilen und die Bestrafung der Schuldigen zu fordern. Mit Religion hat all das nichts zu tun.
Kommentar von Rayson — 6.02.2006 @ 23:33 (UTC)
Als ob die brandschatzenden Barbaren nicht auch von Nationalismus und Rassismus geplagt wären. Gemäßigte Moslems können mit genauso guten Gewissen behaupten: Mit Religion hat all das nichts zu tun.
und offensichtlich bleibt ja auch die Mehrheit der Moslems gelassen (in Hinblick auf die Karikaturen)
Kommentar von Klaus — 7.02.2006 @ 0:26 (UTC)
Der Mensch ist normalerweise mit Glaube und Verstand ausgestattet. Es ist sicher unumstritten, dass sowohl der Glaube als auch der Verstand den Menschen eigentlich davon abhalten sollte, gewalttätig und zerstörerisch tätig zu werden. Der Glaube kann den Menschen dazu bringen, Dinge zu tun oder Dinge zu lassen. Wenn der Mensch sich dazu hinreißen lässt, gewalttätig zu werden, dann wirkt nicht mehr der Glaube, sondern der Fanatismus. Wenn aber der Fanatismus einsetzt, sind sowohl Glaube als auch Verstand vergessen … Ich bin deshalb der Meinung, dass alle Glaubensfragen am besten tief im Inneren des Menschen aufgehoben sind und nicht äußerlich vor ihm hergetragen werden sollten.
Kommentar von stefanolix — 7.02.2006 @ 9:11 (UTC)
@Klaus
Gemäßigte Moslems können mit genauso guten Gewissen behaupten: Mit Religion hat all das nichts zu tun.
Der Knackpunkt in diesem Satz ist der Konjunktiv. Die Mehrheit mag tatsächlich gelassen bleiben, aber wo bleiben die Stimmen, die die Randale verurteilen? Der dänische Ministerpräsident soll sich entschuldigen, aber wo sind die vergleichbaren Forderungen von Muslimen an die Regierungschefs in den Ländern, wo die Ausschreitungen stattfinden?
Und es gibt einen weiteren Knackpunkt: Die Religion selbst. Die Unterschiede werden in den Leben der beiden jeweiligen Begründer plakativ deutlich und ziehen sich ebenso durch die jeweilige Lehre.
Kommentar von Rayson — 7.02.2006 @ 9:59 (UTC)
Aber Rayson: Religion ist doch Auslegungssache (und der Koran ganz besonders). Wenn man nur mal die Zeit hätte und sich einen Abend lang mit den unterschiedlichen Strömungen auseinandersetzen könnte, die sich allesamt auf den Koran berufen … Du weist zu Recht auf die Unterschiede zwischen den beiden Begründern der Religionen hin. Aber schau Dir die letzten 2.000 Jahre an. Wie oft ist da der Fanatismus aufgeflackert, wie oft hat der Verstand ausgesetzt, wie oft wurde die Religion für andere Ziele missbraucht? Was meinst Du, welchen Anteil der Unterschied zwischen den christlichen Glaubensrichtungen wirklich am Dreißigjährigen Krieg hatte?
Kommentar von stefanolix — 7.02.2006 @ 10:18 (UTC)
Also, ich finde jedenfalls überall Kommentare von Muslimen, denen die Randale peinlich ist, die die Toten bedauern und die bei aller Betroffenheit über die Karrikaturen die Ausschreitungen viel schlimmer finden. Ob es nun im Internet, bei europäischen Muslimen oder sogar libanesischen Tageszeitungen ist: Auch die Muslime wollen in ihrer überwiegenden Mehrheit keine dumpfe, fundamentalistische Gewalt.
Kommentar von Karsten — 7.02.2006 @ 10:41 (UTC)
Religion ist doch Auslegungssache (und der Koran ganz besonders)
Religion ist auch Auslegungssache, aber nicht nur. Es wird immer irgendwelche Sekten geben, die sich angeblich auf eine bestimmte Religion berufen, dort dann aber sehr abweichende Auslegungen vertreten.
Es ist aber gerade bei den Weltreligionen so, dass es dort jeweils einen festen Glaubenskern gibt, der nicht wegauszulegen und nicht wegzudiskutieren ist.
Was den Fanatismus betrifft, gebe ich dir Recht: Religion ist ein so starker Tobak, dass sie auch zu Missbrauch einlädt. Der Punkt, der mich in der gedanklichen Auseinandersetzung mit dem Islam aber beschäftigt, ist: Wirkt die Lehre so, wie sie ursprünglich verkündet wurde, gewaltfördernd oder gewaltmindernd? Kein Schlächter könnte sich bei seinen Untaten darauf berufen, dass ihn Jesus dazu aufgerufen hätte, wohl aber, dass der Koran es von ihm verlangt. Und zwar durchaus den geltenden Auslegungen entsprechend, wonach die friedliebenden Suren aus der Mekka-Zeit durch die kriegerischen aus der späteren Medina-Zeit abgelöst wurden.
Kommentar von Rayson — 7.02.2006 @ 10:50 (UTC)
@Karsten
Du sprichst einen wichtigen Punkt an: die Menschen selbst. Ich glaube auch, dass die meisten Muslime, jedenfalls hier im Westen, mit ihrer Umwelt in Frieden zusammenleben wollen, und dass sie Gewalttaten verabscheuen. Aber das Problem ist, dass sie dazu ein Stück ihren Glauben verraten müssen.
Die Fundamentalisten und Islamisten verkünden nicht eine obskure Auslegung, sondern den Original-Koran und die Hadithe. Der “-ismus” an ihnen ist, dass sie von dem, was ihr Glaube verlangt, keine säkularen Abstriche machen.
Kommentar von Rayson — 7.02.2006 @ 10:55 (UTC)
Agreeing to Disagree
Nachdem dieses Webblog seit mehr als einem halben Jahr existiert, ist es an der Zeit eine Hommage auf die mathematische Wirtschaftstheorie und etwas versptet auf Robert Aumann einen der beiden Wirtschaftsnobelpreistrger des letzten Jahres zu halten. …
Kommentar von LibLog — 11.02.2006 @ 18:58 (UTC)