B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

28.01.2006

Kalle mal wieder

Abgelegt in: Politik

Neues vom Gesundheits”ökonomen” Kalle Lauterbach. Für die, die ihn nicht kennen: Das ist der, der einen Papagei hat, der Ullala heißt.

Die Steuer für Spitzenverdiener könne erhöht werden, da sie sich bislang an der solidarischen Finanzierung des Gesundheitssystems nur weit unterproportional beteiligen”, schreibt Lauterbach in einem Gastbeitrag für die “Welt am Sonntag”.

Das ist natürlich ein wahrhaft genialer Gedanke unseres nobelpreisverdächtigen Harvard-”Ökonomen”. Wie beseitigt man die inhärenten Fehler eines bestimmten Systems? Indem man es von außen füttert! Diese Idee ist noch viel brillanter als das Konzept der “Bürgerversicherung”, weil da ja noch der lästige Effekt einträte, dass die neuen Zahler auch neue Anspruchsberechtigte wären. Aber Kalle hat auch für dieses Problem die richtige Lösung gefunden. Glückwunsch! Perfekt saniert ist die Gesetzliche Krankenversicherung aber erst dann, wenn alle einzahlen und keiner mehr versichert ist. Narrhallamarsch!

Die “Bissigen Liberalen” ziehen am 1. März um. Bitte verlinkt schon jetzt den Blog (nicht die einzelnen Beiträge) auf “http://www.bissige-liberale.com” und denkt daran, am 1. März auch eure RSS-Reader anzupassen. Vielen Dank und bis bald in unserem neuen Zuhause!

4 Meinungen »

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  1. Ach, versichert kann man schon bleiben. Nur die Leistungen werden immer weiter reduziert :-)
    Ich denke aber, dass Lauterbach nicht allein für diese Misere verantwortlich ist (auch wenn er bei den letzten Reformversuchen die Hand mit im Spiel hatte). Vor allem die Verbände und Kassen sind dafür verantwortlich. Ich bin nicht sicher, ob sich die Ärzte inzwischen noch durch ihre Funktionäre und Vereinigungen repräsentiert sehen. Und solange man sich noch solch einen Quatsch wie die “Sozialwahlen” leistet, ist offenbar noch zuviel Geld im System …

    Kommentar von stefanolix — 29.01.2006 @ 8:44 (UTC)

  2. Zum einen glaube ich, wie Stefanolix, dass ein hoher Anteil der Verantwortung Kassen, kassenärztlicher Vereinigung u.s.w. zukommt. Zum anderen finde ich es schon etwas stereotyp, wenn man einerseits das bestehende System in Grund und Boden verdammt und auf der anderen Seite nicht klar sagt, was man an seine Stelle setzen möchte.

    Mit klar meine ich auch die Beschreibung der Wirkungen einer solchen Änderung. Das Argument gegen die Bürgerversicherung (neue Anspruchsberechtigte….) habe ich nun schon so oft gehört, dass ich das langsam öde finde.

    Weiter muss ich sagen, dass die Beschreibung Lauterbachs weder witzig noch originell finde. Im Wesentlichen stehen sich drei verschiedene Denkmodelle gegenüber, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Falsch finde ich, wenn eines dieser Modelle von vornherein nur deshalb abgelehnt wird, weil es als ideologisch verbrämt zu gelten hat.

    Kommentar von apollon — 29.01.2006 @ 12:24 (UTC)

  3. Ein ordentliches Modell zu finden ist sehr schwierig und ich habe auch dort, wo ich mit Ärzten, medizinischen Fachkräften oder Pflegepersonal darüber gesprochen habe, keine wirklich befriedigenden Einblicke gewinnen können. Ich halte das Gesundheitswesen auch für einen Sonderfall (wie das Bildungswesen) und bestehe da nicht auf rein privatwirtschaftlichen Lösungen.

    Ursprünglich ging es darum, dass Herr Prof. Lauterbach nur den Leuten in die Taschen greifen will, die er als “reich” bezeichnet. Immer wenn Rot/Grün während ihrer Regierungszeit von “Besserverdienenden” gesprochen haben, waren aber die fleißig arbeitenden Leute aus der Mitte der Gesellschaft gemeint (den “Reichen” hat Rot/Grün nicht wirklich etwas weggenommen). Hinter den Vorschlägen Lauterbachs wird also wahrscheinlich die nächste Anhebung der Bemessungsgrenze stehen. Denn zweckgebundene Steuern gibt es ja eigentlich in D nicht.

    Kommentar von stefanolix — 29.01.2006 @ 13:25 (UTC)

  4. Für einen so wichtigen Mann, dass ich ihm die Verursachung aller Probleme der GKV zutraute, halte ich Kalle dann doch nicht. Andererseits führt der klagende Blick auf die einzelnen Komponenten dieses Systems in die Irre, weil das System selbst die Fehler hervorbringt.

    Apollon, ich brauche kein Gegenmodell zu entwickeln um feststellen zu können, dass das Hineinpumpen in ein leckes Fass kaum als Lösung bezeichnet werden kann.

    Dass du Argumente als öde empfindest, nur weil du sie oft hörst, sagt leider nichts über die Argumente selbst aus. Eher mehr über den Frust von jemandem, dessen Wunschwelten durch schnöde Einwände kaputt gemacht wurden.

    Ich lehne jede Diskussion über einzelne Modelle des Gesundheitswesens ab, so lange sie auf Basis der Grundlüge des jetzigen Systems geführt wird, nämlich der unbegrenzten Bedarfsdeckung bei konstantem Budget und Grenzkosten nahe Null.

    Die “Bürgerversicherung” ist nur der Versuch, ein auf dieser Grundlüge basierendes System voller Fehlsteuerungen dadurch zu retten, dass man es aufbläst.

    Die Konsequenzen einer Abkehr von der Grundlüge liegen auf der Hand: Gesundheitsleistungen werden als Güter akzeptiert, die bei ihrer Herstellung mit allen anderen Gütern um dieselben knappen Ressourcen konkurrieren. Damit müssen wir ein typisches Allokationsproblem lösen, und dafür gibt es verschiedene Modelle: Märkte, Verlosungen, Windhundverfahren, Ex-Ante-Rationierung etc. Dass wir darunter zu wählen haben, gefällt uns nicht, und deswegen negieren wir weiterhin die Fakten.

    Kommentar von Rayson — 29.01.2006 @ 14:11 (UTC)

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