Do they know it’s Christmas time…
Ups, jetzt war ich politisch inkorrekt. Es muss natürlich statt “Christmas” besser heißen “holiday season”. Nicht, dass ich das nicht gut finden würde, denn was hat denn Weihnachten heute bitte mit dem Christentum zu tun? Da kommt der oberflächlich neutrale deutsche Begriff doch besser. Was also ist Weihnachten noch?
Weihnachten - die Hoffnung des deutschen Einzelhandels? Tatsächlich, Weihnachten ist der Anlass, der Menschen dazu bewegt, sich krampfhaft gegenseitig etwas zu schenken und dabei aber die Kriterien des Tauschhandels zu beachten. Also letztendlich eine Art erzwungenes Tauschgeschäft. Keynesianer müssten eigentlich die wahren Fans der Weihnacht sein. Aber muss einen Liberalen solcher Zwang nicht missmutig stimmen?
Weihnachten - Zeit für die Familie? Also dass Menschen, die sich ein ganzes Jahr lang erfolgreich und nicht ohne Grund aus dem Weg gegangen sind, big-brother-mäßig zweieinhalb Tage lang zusammengepfercht werden, das ist der Sinn dieses Festes? Die daraus folgende Selbstmordrate auch? Der Liberale wendet sich mit Grausen.
Weihnachten - die Geburt Jesu Christi? Ok, Nichtchristen können jetzt mal vorübergehend aussteigen. Aber selbst für uns Restmenge - ist dieses Ereignis denn so wichtig für uns? Wo doch mal gerade Lukas den nötigen Heiopei um diese Geschichte gemacht hat und der Rest der Evangelisten die Geburt mal gerade als Voraussetzung dafür sieht, dass jemand sterblich ist? Der aufgeklärte Liberale, ob mit oder ohne christlichen Virus, schüttelt den Kopf.
Vielleicht kommen wir so nicht weiter. Vielleicht sollten wir uns nicht fragen, was Weihnachten ist, sondern was es sein könnte. Es könnte eine Zeit sein, in der wir aus unserer Alltagsmühle aussteigen. Eine Zeit, in der wir erkennen, wie wertvoll uns Menschen sind, die uns nahe stehen. Eine Zeit, die uns lehrt, dass selbst in der größten Dunkelheit ein Licht leuchten kann. Eine Zeit, in der wir darüber nachdenken, dass unsere Realität nicht alles ist und jederzeit von außen und von innen durchbrochen werden kann. Eine Zeit, die uns beim Blick in den Himmel zeigt, wie relativ und unbedeutend Ansammlungen von Kohlenstoff sein können, auch wenn sie nach dem Höchsten streben. Kurz: Eine Zeit, nach dem Woher und dem Wohin zu fragen. Auch, wenn es nicht für alle von uns eine zufriedenstellende Antwort darauf gibt.
In diesem Sinn wünschen wir, der gläubige und der nicht-gläubige Teil von B.L.O.G., unseren Lesern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Ein wenig werden wir noch Präsenz zeigen, doch um die traditionellen Festtage herum wird auch dieser Blog schweigen.
