SPONblog: “RWE-Eingeständnis”
SPON übernimmt hiermit komplett und wortwörtlich eine Meldung der Berliner Zeitung. Es geht um die Frage, ob der Konzern RWE mitschuld am Zusammenbrechen von Masten (und danach der Stromversorgung) nach dem großen Schneefall im Westen Deutschlands sei.
Der Artikel wird wie folgt eingeleitet:
Erst hieß es, der massive Stromausfall kürzlich im Münsterland sei Folge einer Art Naturkatastrophe gewesen, die Energiekonzerne treffe keine Schuld. Jetzt räumt RWE ein: Ein Großteil der 44.000 Strommasten seines Hoch- und Höchstspannungsnetzes wird bereits seit mehr als 65 Jahren genutzt.
Hiermit wird suggeriert (”erst hieß es…jetzt”), die Information, die im zweiten Satz enthalten sei, widerlege die Behauptung aus dem ersten Satz. Dazu müsste aber erst einmal belegt sein, dass das hohe Alter als Ursache der Mastschäden anzusehen ist. Die Darstellung von RWE selbst sieht das zumindest etwas anders:
Im Münsterland knickten Maste aus Holz, Beton und Metall gleichermaßen. Maste verschiedenen Alters waren betroffen, die jüngsten sind in den 90er-Jahren aufgestellt worden.
Im weiteren Verlauf des Artikels wird erwähnt, dass RWE plane, besonders alte Masten, die bereits vor 1930 errichtet wurden, auszutauschen. Kann man zunächst noch den Eindruck gewinnen, die Austauschaktion sei erst eine Folge des Unwetters, wird zum Schluss immerhin noch mitgeteilt, dass bereits seit 2003 ein Sanierungsprogramm aufgelegt worden sei. Interessant hier auch wieder die Sichtweise von RWE selbst:
Maste, die vor 1970 errichtet wurden, wurden bereits im Jahr 2000 in ein Sanierungskonzept aufgenommen. Die Umsetzung des Konzeptes startete ein Jahr später und wird 2015 beendet sein. Die Maste werden sukzessive saniert oder ersetzt. Dazu sind teils Netzabschaltungen nötig, die nicht flächendeckend erfolgen können – deshalb können nicht alle älteren Maste mit einem Mal saniert oder ersetzt werden.
Was nichts anderes heißt als: Selbst, wenn RWE davon gewusst hätte, dass weite Regionen im Herbst Tage ohne Strom sein würden, und das Alter der Masten als Hauptursache dafür angesehen werden müsste, hätte diese Katastrophe nicht verhindert werden können, ohne sie auszulösen.
All das widerlegt nicht ein mögliches Verschulden des Konzerns. Aber im Gegensatz zu dem, was die beiden o.g. Presseorgane uns offensichtlich gerne vermitteln wollen, macht es ein solches auch nicht wahrscheinlicher.
