SPONblog: Durfte der Lehrling auch mal ran?
Eine Kleinigkeit fiel mir in diesem Artikel auf, aber sie ist recht typisch für den hin und wieder miserablen Journalismus von Augsteins Kampfblatt:
Und dann wiederholte er sein Mantra: “Wir können und werden den Irak nicht verlassen, bis der Sieg errungen ist.”
Es kann ja sein, dass hier auch mal der Lehrling einen Artikel schreiben durfte. Und es mag ja angehen, dass man diesem noch nicht das Prinzip der Trennung zwischen Nachricht und Kommentar bzw. Wertung erklärt hat. Aber schaut niemand von den Spiegel-Hanseln mal über Artikel drüber, ehe sie online gehen? Oder ist das Niveau egal, wenn es gegen den großen Satan von Übersee geht? Denn selbst als polemische Spitze ist das doch armselig, oder?

Ich glaube, das wäre mir nicht einmal gross aufgefallen. Durchschnittliches Niveau der europäischen Presse. Auch im aktuellen gedruckten Spiegel (CIA-Titelthema) wimmelt es von solchen “versteckten” Kommentaren.
Aber natürlich hast du Recht, dass sowas nicht zur Berichterstattung gehört.
Kommentar von Bastian — 15.12.2005 @ 0:39 (UTC)
Und? Mir ist nicht ganz klar, was genau du hier kritisieren willst.
Kommentar von Timothy Simms — 15.12.2005 @ 2:37 (UTC)
@Timothy
Die abwertende Bedeutung des Begriffes “Mantra” in diesem Zusammenhang halte ich für deutlich erkennbar.
Kommentar von Boche — 15.12.2005 @ 9:51 (UTC)
Die NICHT-Trennung von Kommentar und Bericht gehörte schon immer zum “Spiegel-Stil”.
Es ist seit Augsteins Zeiten klare Redaktionslinie, daß jeder Artikel eine Bewertung transportieren soll und sowohl die Faktenauswahl wie die Formulierungen diese stützen sollen.
Kommentar von Ralf Arnemann — 15.12.2005 @ 11:55 (UTC)
@Ralf
Ja eben, der Spiegel war schon immer für witzige, überspitzte, ironische und teils hämische Bemerkungen bekannt. Aber seit einiger Zeit ist der Spiegel ja mehr und mehr ins sachliche übergegangen. Was bei mir dazu führt, dass ich oft nicht mehr unterscheiden kann ob ein Kommentar ernst gemeint ist oder doch ironisch. Mir gefiel der alte Spiegel besser, da wusste man wo man dran war
Jetzt lese ich gerne die erste Seite vom Focus.
Gruss
Sebastian aus Prerow
Kommentar von Prerow — 15.12.2005 @ 12:28 (UTC)
@boche
Statt dem Mantra hätte man auch die gute alte Gebetsmühle metaphorisch bemühen können. Hier hat dann wohl auch ein Praktikant drangesessen:
In diesem Fall war’s einer der FAZ. Kaum eine seriöse Zeitung, in der nicht von Zeit zu Zeit der Begriff Mantra fällt. Wo du hier eine Abwertung siehst, ist mir schleierhaft, was das mit dem Spiegel (übrigens: Augstein ist tot - von Augsteins Kampfblatt zu schreiben ist daher historisch reichlich überholt…) zu tun hat, ebenso.
Kommentar von Timothy Simms — 16.12.2005 @ 10:28 (UTC)
@Timothy
Ich vermute, du hast meinen Beitrag nicht ganz verstanden. Nicht die Polemik an sich ist kritikwürdig (obwohl man im SPON-Fall auch über das ärmliche Niveau diskutieren könnte). Selbstverständlich können Journalisten ihren Lesern auch mitteilen, was sie von einer Nachricht halten (wie das oben der FAZ-Autor getan hat).
Kritikwürdig wird erst die Vermengung von Nachricht und wertendem Kommentar. Obwohl vor allem der Spiegel dies ganz normal zu finden scheint und schon immer praktiziert, ist das eben schlicht und einfach ein journalistischer Lapsus.
Was nun die Bedeutung des Begriffes “Mantra” angeht:
Ein Mantra ist - korrigiere mich, wenn du das anders siehst - eine formelhafte Wiederholung bestimmter Wörter oder Sätze. Die Betonung liegt dabei eindeutig auf formelhaft.
Unterstellt wird im besagten Fall, dass der Inhalt als unwichtig oder nur sehr nebensächlich oder gar als unwahr angesehen wird, dass er vorrangig als Staffage für eine Gebetsformel, ein Mantra dient. Dass am Gesagten eben weniger der Inhalt als vielmehr die Form interessant wäre. Es gibt kaum eine stärkere Abwertung gegenüber einem Kommunikationspartner.
übrigens: Augstein ist tot - von Augsteins Kampfblatt zu schreiben ist daher historisch reichlich überholt…
Die Macht der Gewohnheit… entschuldige bitte!
Kommentar von Boche — 16.12.2005 @ 11:38 (UTC)
@Boche
Okay. Ich hatte dich tatsächlich ein wenig mißverstanden.
Dennoch: Bush ist kaum Kommunikationspartner des imaginären Praktikanten, die Bezeichnung Mantra verweist auf die rituelle Dimension von Politik, die in diesem Fall wirklich gegeben ist - ich sehe hier weniger eine Wertung als vielmehr eine zutreffende Beobachtung und Analyse. ob bush das nun ernst meint oder nicht, ist doch egal: Bestimmte Äußerungen bezüglich des Iraks sind nunmal “formelhaft”, man könnte auch von Durchhalteparolen sprechen.
Der Spiegel ist ebensowenig wie andere wöchentliche Publikationen wie z.B. die Zeit eine Presseagentur oder eine Tageszeitung. Seit jeher sind diese Publikation meinungsbildend und eben nicht informierend. Eine Vermengung von Nachricht und Analyse/Bewertung findet dort immer statt. Die meisten LeserInnen dieser Publikationen dürften medienkompetent genug sein, das auch zu wissen. Insofern verstehe ich deine Aufregung immer noch nicht. Nur weil mal Bush kritisiert wird, gleich ein Wettern gegen den “Großen Satan” zu vermuten, ist albern.
Kleine polemische Spitze: Vielleicht hättest Du deinen Beitrag von rayson gegenlesen lassen sollen, bevor er online geht?
Kommentar von Timothy Simms — 16.12.2005 @ 14:47 (UTC)
Kleine polemische Spitze: Vielleicht hättest Du deinen Beitrag von rayson gegenlesen lassen sollen, bevor er online geht?
Abbruch der kleinen polemischen Spitze: Wenn wir das gegenseitig täten, kämen hier gar keine Beiträge mehr heraus… Nee, hier ist alles O-Ton und ungefiltert, und das ist gut so. Käme ja auch sonst kein Widerspruch
Kommentar von Rayson — 16.12.2005 @ 14:56 (UTC)
@Timothy
Dennoch: Bush ist kaum Kommunikationspartner des imaginären Praktikanten
Verwechsle nicht Kommunikations- und Gesprächspartner. Denn selbstverständlich kommuniziert Bush mit dem SPON-Praktikanten. Sonst würde der nichts zu schreiben haben.
die Bezeichnung Mantra verweist auf die rituelle Dimension von Politik
Dieser Verweis ist aber auch nichts anderes als eine Wertung bzw. ein Kommentar zur eigentlichen Nachricht.
ob bush das nun ernst meint oder nicht, ist doch egal
Es ist erst einmal nicht egal, wenn man als Journalist eine Nachricht zu bringen hat. Diese hat so neutral wie möglich zu sein. Das ist schlicht und einfach journalistisches ABC.
Der Spiegel ist ebensowenig wie andere wöchentliche Publikationen wie z.B. die Zeit eine Presseagentur oder eine Tageszeitung.
Erklär mir doch bitte mal den Unterschied zwischen Wochen- und Tagesblatt, wenn es um journalistische Grundregeln geht.
Seit jeher sind diese Publikation meinungsbildend und eben nicht informierend.
Mag sein, dass der Kommentar-Anteil in Wochen- oder Monatszeitschriften höher ist. Die Trennung zwischen Nachricht und Kommentar existiert trotzdem. Zumal der SPON nun wirklich kaum mehr Wochenblatt-Charakter hat und eindeutig Nachrichten liefert.
Insofern verstehe ich deine Aufregung immer noch nicht.
Das merke ich. Abgesehen davon war das eigentlich auch nie Aufregung sondern eine nur eine kleine Anmerkung, die mit den Worten beginnt: “Eine Kleinigkeit fiel mir in diesem Artikel auf…”
Nur weil mal Bush kritisiert wird, gleich ein Wettern gegen den “Großen Satan” zu vermuten, ist albern.
Albern sind eher manche Unterstellungen, die - ohne mich jetzt als Fachmann ausgeben zu wollen - aus mangelndem Wissen entstehen.
Kleine polemische Spitze: Vielleicht hättest Du deinen Beitrag von rayson gegenlesen lassen sollen, bevor er online geht?
Vielleicht solltest du dich eher mal mit dem Thema beschäftigen, dass hier “journalistische Grundregeln” heißt?
Kommentar von Boche — 16.12.2005 @ 16:06 (UTC)
Woher hast denn du diese ehernen journalistischen Grundregeln, Boche?
Meines Erachtens existiert eine scharfe Trennung zwischen Kommentar und Nachricht (soweit so etwas überhaupt möglich ist) in Tageszeitungen und den ausgewiesenen Nachrichtensendungen im Rundfunk - und natürlich in Form von Meldungen der Presseagenturen. Alles was sonst so als Fernsehsendung kommt (oder nimm’ z.B. DIE ZEIT als Printmedium) besteht aus Mischformen von Meinung und Information.
Vielleicht beschäftigst du dich mal mit dem Thema, das unterschiedliche journalistische Textformen heißt?
Kommentar von Timothy Simms — 16.12.2005 @ 21:51 (UTC)
Woher hast denn du diese ehernen journalistischen Grundregeln, Boche?
Ach, das kommt heraus, wenn ein Laie journalistische Fachliteratur liest.
Meines Erachtens existiert eine scharfe Trennung zwischen Kommentar und Nachricht … in Tageszeitungen
Und der täglich, ja stündlich aktualisierte SPON wäre nichts Dementsprechendes?
Vielleicht beschäftigst du dich mal mit dem Thema, das unterschiedliche journalistische Textformen heißt?
Bei Gelegenheit gern. Denn natürlich möchte ich deine journalistische Kenntnistiefe auch irgendwann mal erreichen. Am Grad deiner Arroganz gemessen muss die ja wirklich erstaunlich sein.
Kommentar von Boche — 18.12.2005 @ 14:17 (UTC)
“Am Grad deiner Arroganz gemessen muss die ja wirklich erstaunlich sein.”
hui, da ist aber einer sauer… wer hat denn damit angefangen, anderen Ratschläge zur Weiterbildung zu geben?
Kommentar von Timothy Simms — 20.12.2005 @ 12:52 (UTC)
wer hat denn damit angefangen, anderen Ratschläge zur Weiterbildung zu geben?
Soll ich nachschauen, wer mit Ratschlägen angefangen hat?
Nö, ist Kindergarten, oder?
Kommentar von Boche — 20.12.2005 @ 12:56 (UTC)