B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

23.11.2005

Hoppe - wer ist das?

Abgelegt in: Linktipps

Ab und zu bin ich ja schon über diesen Namen gestolpert: Hans-Hermann Hoppe.
Mal ging es um die Demokratie als zweifelhafte Göttin der Moderne.
Mal stolperte ich im eifrei-Probeabo über Werbung für Hoppesche Publikationen.
Gelesen habe ich bisher nichts von ihm. Und das hier hat mir die Lust dazu auch arg geschmälert.

31 Meinungen »

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  1. Wie Haider in Österreich bewiesen hat, ist es oft nur ein kleiner Schritt vom Rechtsliberalen oder Libertären zum Rechtsextremisten. Hoppe ist jedenfalls weder liberal noch libertär, sondern offenbar ein Faschist, der seine Ansichten aber ganz gut tarnen kann, seit gewisse Experten die Möglichkeit eines libertär-reaktionären Bündnisses in Betracht gezogen haben. Eine Allianz mit den Feinden der Freiheit - wie kann man nur?
    Anarchokapitalismus riecht nicht nur nach Sozialdarwinismus, er ist es - nur in viel freundlicheren Formulierungen. Der Mist bleibt der Gleiche. Was nichts daran ändert, dass ich immer noch davon überzeugt bin, dass Homosexuelle seltener generationenübergreifend denken, so lange sie keine Familien aufbauen dürfen.

    Kommentar von Karsten — 23.11.2005 @ 15:01 (UTC)

  2. Nicht verzagen, Rayson fragen ;-)

    Man sollte mit dem Faschisten-Label generell etwas vorsichtiger umgehen - um etwas abzulehnen, brauche ich das jedenfalls nicht.

    Hoppe ist sozusagen der Schüler und Nachfolger von Murray Rothbard, dem eigentlichen Begründer des Anarcho-Kapitalismus in den USA, und als solchen lohnt es sich auch, ihn mal zu lesen. Wobei ich weniger das Buch “Demokratie, der Gott, der keiner ist” empfehlen würde als vielmehr das frühere “Sozialismus oder Kapitalismus”. Nicht, dass da besondere Offenbarungen enthalten wären, aber es bringt einige Gedanken schon ganz gut auf den Punkt.

    Die Kritik, die man jetzt so lesen kann, ist aus meiner Sicht in der Sache nicht unberechtigt, manchmal aber schon in der Wortwahl.

    Ich mag an radikalen Meinungen insbesondere, dass sie ab und zu den eigenen Standpunkt quasi “frei-kärchern” können.

    Kommentar von Rayson — 23.11.2005 @ 16:36 (UTC)

  3. Ich hatte nur mal in der Wikipedia zu Hoppe nachgeschaut. Mein Schluß daraus war, dass das was erschreibt auch “nur” Ideologie ist. Und dann war sein Buch “Demokratie, Gott der keiner ist” mir dann doch zu teuer. Geld ist manchmal ein prima Mittel zum Prioritäten setzen.

    Kommentar von marcc — 23.11.2005 @ 17:10 (UTC)

  4. Hm, okay, den Faschisten schlucke ich mal runter - den Rechtsextremisten unterstreiche ich aber noch einmal.
    Nur, weil jemand in der Lage ist, halbwegs eloquent die liberale und libertäre Kritik am “Starken Staat” und hemmungslosen Demokratieglauben zu vermitteln, ist er für mich noch kein großer Denker. Die haben andere vor ihm bereits klarer und besser formuliert, mit weniger Effekthascherei.
    Der Anarchokapitalismus ist meist schiere Träumerei - wie der FdoG-Artikel ausführt. Hoppes Prinzip, die Welt nur aus einem Blickwinkel zu betrachten und alles, was nicht hinein passt, zu ignorieren, ist mir in der Argumentation der meisten Anarchokapitalisten aufgefallen. Und auch die Nietzsche-Moral, die viele von ihnen kennzeichnet (Gut ist, wer stark ist - mit welchem Recht hindern ihn die Schwachen?), ist mir unheimlich. Wenn man mal eine Weile im “Freiheitsforum” mitliest, weiß man, was ich meine.

    Kommentar von Karsten — 23.11.2005 @ 17:17 (UTC)

  5. @marcc: Dann hast du die eigentliche Botschaft des Kapitalismus ja bereits verstanden. :)

    Kommentar von Karsten — 23.11.2005 @ 17:19 (UTC)

  6. @Karsten

    Wollte ich auch gerade sagen :-)

    Kommentar von Rayson — 23.11.2005 @ 17:25 (UTC)

  7. @ Karsten

    (zurück zu Hoppe)

    Auch “Rechtsextremist” würde ich mir schenken. Aber “Radikaler” ganz sicher. Die beiden in der “Achse des Guten” zitierten Autoren haben einige der Schwachstellen der Anarcho-Kapitalisten schon gut aufgezeigt, aber dennoch wünsche ich mir in einer Welt, die mich tagtäglich massenmedial mit sozialistischen Weisheiten beglückt, ein radikales Gegengewicht, um mehr Futter für meine eigenen Gedanken zu bekommen.

    Kommentar von Rayson — 23.11.2005 @ 17:29 (UTC)

  8. @Rayson:

    Was das Hören anderer und auch radikaler Meinungen angeht, bin ich durchaus deiner Meinung. Das ist auch ein Grund dafür, warum ich auch gelegentlich Blogs ansurfe, bei deren Inhalt sich mir die Nackenhaare aufstellen (naja, und weil Michael Meyn und die Linken auch ganz amüsant schreiben). Es freut mich sogar, in einem Land zu leben, in dem Hoppe Vorträge halten darf - und in dem ich ebenso das Recht habe, seine Meinung als gefährlichen Unsinn zu bezeichnen. Mag sich doch jeder seine Meinung bilden.

    Kommentar von Karsten — 23.11.2005 @ 17:51 (UTC)

  9. Schön, dass das mit dem “natürlichen” Zustand mal erwähnt wurde. Denn der Begriff ist schwammig. Welcher natürliche Zustand ist gemeint? Der vor 100, 1000 oder 10000 Jahren? Oder der in 100, 1000 oder 10000 Jahren? Wenn man in die Natur schaut, dann sind Ökosysteme dauernd im Wandel.

    Zudem versuchen wie erwähnt alle möglichen Leute ihre Ideen damit zu rechtfertigen. Warum dann nicht Faustrecht, klappt auch. Und es ein natürliches Mittel. :-)

    Ich glaube, wir sind mit Verstand und Zeitgefühl ausgestattet und sind deswegen nicht mehr so zwingend auf einen, wie auch immer definierten “natürlichen” Zustand, der das Glück aller bringen wird, angewiesen.

    Kommentar von marcc — 23.11.2005 @ 19:15 (UTC)

  10. Hans-Herrmann Hoppe - ein libertärer Erzreaktionär

    In den letzten Tagen tobte ein kleines Herbstgestöber zwischen Liberalen und Libertären - vertreten durch die liberale Achsenmacht des Guten, die sich über die eigentümlich frei beschwert und den - ansonsten um die eine oder andere…

    Kommentar von antibuerokratieteam.de — 23.11.2005 @ 20:28 (UTC)

  11. @marcc:

    Da träumt einer Platos Traum vom perfekten Staat ganz am Anfang, nur auf seine eigene Art. Während Plato einen Staat hatte, in dem durch Militärgewalt und starke Ideologie die perfekte Ordnung vor Verderbnis geschützt wird, geschieht das bei Hoppe durch Kapitalismus und Ausgrenzung. Na, da war mir der Plato schon schlauer, denn wie will Hoppe denn die Gewalt verhindern? Die ewige Schwäche der Anarchisten: manchmal sind die Bösen stärker und herrschen dann doch.

    Kommentar von Karsten — 23.11.2005 @ 23:14 (UTC)

  12. Jungs,

    Ihr wachst mir richtig ans Herz. Wenn das mit der Breite des Themenspektrums hier so bleibt, dann kann ich ja alle anderen liberalen Blogs von meiner (nicht-öffentlichen) Blogroll löschen.

    Zu HHH wollte ich vor ein paar Wochen schonmal bloggen, nachdem ich beim Wirtschaftsweisen einen Eintrag über dieses Interview in der Jungen Freiheit gelesen und mich danach einen Nachmittag mit Hoppe beschäftigt hatte.

    Allerdings fiel mir dann auf, dass man nur über etwas bloggen kann, wenn man ein Blog hat - es sei denn, man wird von amerikanischen Bloggerinnen als guest blogger eingeladen, um die USA zu preisen und sich über Deutschland und die EU lustig zu machen ;-) .

    (Dass ich im Moment keinen Breitband-Internetzugang habe, seit mir mitten in der Vereidigung der neuen Bundesministerinnen und Bundesminister die Leitung zusammen gebrochen ist, erhöht die Wahrscheinlichkeit der Eröffnung eines eigenen Blogs nicht gerade :-/. Ich gebe der Zypries die Schuld, weil sie sich als einzige auf die weltliche Eidesformel beschränkt hat.)

    Aber ich schweife ab. Zum Thema:

    Der Achgut-Artikel von Hartwich/Nowrousian ist sehr gut hinsichtlich der Demontage des Versicherungs-Konzepts von Hoppe. Was mir nicht so ganz gefallen hat, war die Auseinandersetzung mit seinem Strafrechtskonzept. Wahrscheinlich spielte das bei der Tagung in Gummersbach eine so untergeordnete Rolle, dass Hoppe das nicht näher erläutert hat. Das heisst aber nicht, dass er auf das Strafrecht ganz verzichten will, wie es Hartwich/Nowrousian nahe legen. Hoppe tritt nämlich ziemlich eindeutig für das Faustrecht in Kombination mit “stand your ground” ein. Wie das funktionieren soll, wenn es keine Staatsmacht gibt, die sich mit Fällen von Notwehr-Exzess, Irrtum usw. beschäftigt, ist mir allerdings ein Rätsel.

    Kommentar von Marian Wirth — 24.11.2005 @ 0:31 (UTC)

  13. Karsten,

    ich habe mir die Hoppe-Vorlesung mit den homophoben Äusserungen angehört. (Man kann sie sich als mp3 von seiner Homepage herunterladen; die entscheidende Stelle ist um Minute 32 rum zu hören). Ehrlich gesagt, habe ich nicht verstanden, was er mit der “Zeit-Präferenz” eigentlich sagen will. Da seine Beispiele alle fragwürdig sind (nicht nur das mit den Homosexuellen), kann man die Vorlesung wohl insgesamt vergessen.

    Ausser Homosexuellen nennt er als Beispiele für Gruppen mit angeblich niedriger Zeitpräferenz: Alte, Vergewaltiger und Politiker. Aber wer ist heutzutage schon “alt”? Und zu seinem Argument, Politiker hätten eine niedrige Zeitpräferenz, weil sie nur eine Legislaturperiode Zeit hätten, um die Bürger zu bestehlen, kann ich nur sagen: Schön wär’s, wenn sich Politiker und Politikerinnen mit einer Legislaturperiode zufrieden gäben. Die Realität sieht ja wohl so aus, dass sie wieder gewählt werden wollen und ihre Zeitpräferenz eher gegen unendlich geht.

    (Dass ich die von Hoppe immer wieder vorgebrachte These Politiker=Räuber ablehne, versteht sich eigentlich von selbst.)

    Im übrigen gäbe es ja, wie von dir schon angedeutet, wunderbare Maßnahmen, um die Zeitpräferenz von Homosexuellen zu erhöhen: vollständige Gleichstellung im Ehe- und Adoptionsrecht. Ich glaube kaum, dass das in Hoppes Sinne wäre.

    Kommentar von Marian Wirth — 24.11.2005 @ 0:32 (UTC)

  14. Rayson,

    naja, der Kapitalismus ist im Internet noch nicht so richtig angekommen. Und deshalb gibt es das von dir erwähnte Buch “A Theory of Socialism and Capitalism” kostenfrei als pdf-Datei auf dessen Homepage.

    Boche,

    wenn du nach dem Achgut-Artikel schon auf Abstand zu Hoppe gehen möchtest, dann gibt dir dieses Interview (französisch) wohl den Rest. Das, was er dort zur US-amerikanischen Außenpolitik sagt, würde ihn für die Ehrenmitgliedschaft in der Linkspartei als geeignet erscheinen lassen. Da kommt noch nichtmal Noam Chomsky mit.

    Kommentar von Marian Wirth — 24.11.2005 @ 0:37 (UTC)

  15. @Marian

    Danke für den Link zum Interview. Sehr aufschlussreich, was er da von sich gibt. Und im Antisemitismus tatsächlich an Chomsky erinnernd. Ich werde bei Gelegenheit mal eine Übersetzung des Interviews versuchen und detailliert drauf eingehen.

    Kommentar von Boche — 24.11.2005 @ 8:05 (UTC)

  16. Etiketten wie “Faschismus” oder “Rechtsextremismus” sind nicht hilfreicht.
    Hoppe und andere “Libertäre” seiner Richtung sind radikale Spinner einer eigenständigen Richtung, die sich trotz peinlicher Ähnlichkeiten ein eigenes Etikett “verdient” haben.

    Richtig ist aber leider, daß diese Vorstellung mit freiheitlich und menschlich anständigem Zusammenleben nicht mehr genügend zu tun haben.
    Und weil diese Ideen in der eifrei immer stärker dominieren, mußte ich dieses Blatt nach doch einigen Jahre Abo abbestellen.

    Es war hilfreich, sich das Hirn mal mit den völlig ungewohnten libertären Ideen durchpusten zu lassen und einige Ideen aus dieser Ecke habe ich übernommen.
    Aber insgesamt ist das eine Sackgasse, nicht realitätstauglich, und die endgültige libertäre Vision läßt mich genauso schaudern wie die sozialistische Variante.

    Kommentar von Ralf Arnemann — 24.11.2005 @ 13:49 (UTC)

  17. Karsten: Da träumt einer Platos Traum vom perfekten Staat ganz am Anfang, nur auf seine eigene Art. Während Plato einen Staat hatte, in dem durch Militärgewalt und starke Ideologie die perfekte Ordnung vor Verderbnis geschützt wird, geschieht das bei Hoppe durch Kapitalismus und Ausgrenzung.

    Damit liegst du nicht ganz falsch.

    Allerdings gleicht überhaupt kein Staat mehr eher Marxens Geschichtsteleologie des abgestorbenen Staates als Platos Traum.

    Zumal Hoppes “Strafrecht” auf denselben naiven anthropologischen Voraussetzungen basiert bzw. auf der antiliberalen Annahme, dass Verbrechen im Endeffekt, sowohl kausal als auch moralisch, Staat und (der durch ihn defizitären) Gesellschaft zugerechnet werden müssen, nicht aber Individuen, die in erster Linie durch Unfreiheit so handeln, wie sie handeln.

    Um diese Marxsche (bzw. Rousseausche) Prämisse nicht auf sich selber anzuwenden und Verbrechen von der guten Staatsgesellschaft* abzuspalten, bediente sich der realexistierende Sozialismus mit der Hilfskonstruktion der Persönlichkeit, die, sei sie tatsächlich nun kriminell oder oppositionell, eben alles andere als sozialistisch ist; was natürlich insofern leicht fiel, als man in diesem Zuge getreu Marx locker behaupten konnte, dass Sozialismus zwar Fortschritt an und für sich bedeutet, sich aber eben noch in seinem Lauf befindet und daher noch nicht alle(s) perfekt sein könnte.

    Wobei Ausgrenzung nach Hoppe, ebenso wie Ausgrenzung im realexistierenden Sozialismus, nur scheinbar einem nüchtern-funktionalistischen Passt-einfach-nicht-zur-Gesellschaft gleich kommt, sondern Ideologie basiert ist.

    Der Distinktionsgewinn zum realexistierenden Sozialismus liegt zuvörderst darin, dass im prospektiven Anarcho-Kapitalismus über die Ausgrenzung hinaus wohl keine “pädagogischen” Anstrengungen unternommen werden sollen, um unpassende Individuen passend zu machen, damit frei assozierte Produzenten ungestört bleiben.

    P.S.: Es gibt übrigens noch weitere Parallelen zwischen marxistischen und liberal-ökonomistischen Theorien. Z.B. wurde bereits Ende des 19. Jhd. auf beiden Seiten die These vertreten, dass der Fortschritt, sei er sozialistisch oder kapitalistisch bedingt, eine, um nicht zu sagen globale, weltweite Einheitskultur schaffen würde.

    *Staat und Gesellschaft sind hier verschmolzen, nach einer Übergangsphase macht Letztere Ersteren überflüssig; bei Hoppe kann es keinen auch nur ansatzweise annehmbaren Staat geben, deshalb soll er sich eben sofort verdünnisieren.

    Kommentar von Patentizität — 24.11.2005 @ 14:57 (UTC)

  18. Hi,

    Hoppe gibts auch auf Video:

    http://www.siemens.at/academyoflife/pages/blank_all.htm?content=http:%2F%2Fwww.siemens.at%2Facademyoflife%2Fpages%2Fvideo2005.htm

    (ganz unten)

    Ansonsten scheint mir dir Aufgeregtheit um Hoppe ein typisches Phänomen zu sein, welches immer dann auftritt, wenn man sich mit bestimmten Ansichten von bestimmten Personen oder Personengruppen nicht intensiv genug beschäftigt hat. Die AnKaps in die Nähe von Faschismus und Rechtsextremismus zu stellen geht jedenfalls eindeutig zu weit. Kleiner Tip: Hoppe lesen, dann urteilen.

    Selbst wenn sich das Konzept der “natürlichen Ordnung” oder der Anarchokapitalismus als Utopie herausstellen sollte. Brauchen wir nicht gerade solche radikalen Utopien die uns antreiben und die einen dazu bringen bestimmte Gedanken auch mal konsequent zu Ende zu denken?

    Die Sozialisten haben ihre klassenlose Gesellschaft und die Liberalen haben eben ihre “natürliche Ordnung”.

    Kommentar von Matthias B. — 24.11.2005 @ 16:49 (UTC)

  19. @Marian

    Danke für die Blumen. Da wir das alles nur hobby-mäßig vor uns hinstümpern, werden wir uns zwar bemühen, Themenbreite und -tiefe zu maximieren, aber dennoch werden wir zwischendurch immer wieder unheimlich flach und einseitig werden. Das ist der Spaß am eigenen Blog, den du dir nach Überwindung der technischen Probleme auch mal gönnen solltest. Unseren Provider kann man dir da ruhig ans Herz legen.

    Kommentar von Rayson — 24.11.2005 @ 16:50 (UTC)

  20. @13 (Marian Wirth):
    Oh, ich verstehe nicht genug von Wirtschaftswissenschaften, um die Zeitpräferenz-Theorie auf ihre Wahrheit hin zu überprüfen. Für mich scheint sie nicht ganz unlogisch und ist vor allem nur ein Nebenkriegsschauplatz, wenn man sich über Hoppe streitet.

    @16 (Ralf Arnemann):
    Okay, sehe ich ein. Und wie wollen wir die radikalen Spinner dann nennen? ;)
    Ernsthaft: “Faschist” war eine überstürzte und in der Tat eher irreführende Wortwahl, ein Fehler. Aber das Etikett “Rechtsextremismus” macht nur dann Sinn, wenn wir es auf alle ähnlich gelagerten Strömungen (Ausgrenzung, Demokratiefeindlichkeit, stratifizierte Gesellschaft) anwenden. Darum hat es auch sehr wenig Aussagekraft über den Hintergrund der spezifischen Gedanken.

    @17 (Patentizität):
    Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Hoppes Ziel wirklich die Abschaffung des Staates ist. Die Gesellschaft, die die Ausgrenzungen vornimmt, muss sich ja in irgendeiner Form konstituieren. Die Familienstrukturen, auf denen er die Gesellschaft aufbauen will, wären ja selbst “der Staat”, wenn es keine größeren Einheiten gäbe. Platons “Staat” z. B. war noch die Polis, die Gemeinde, die aus heutiger Sicht kaum ein Staat war. Eine Gesellschaft, in der strikte Regeln herrschen, die zur Not auch mit Gewalt durchgesetzt werden, bildet im Prinzip eine Form von Staat. Dabei geht es doch nicht nur um die Erhebung von Steuern!

    @18 (Matthias B.):
    Wie klingt denn “Libertärextremismus”? Jedenfalls stehen die Theorien von Hoppe nicht auf dem Boden dessen, was dieses Land seine Verfassung nennt. Von der Priorität der Menschenwürde bis hin zum “sozialen” Rechtsstaat negiert er da so ziemlich die Basis unserer Gesellschaft. Und für so etwas finde ich deutliche Worte. Die “natürliche Ordnung” ist jedenfalls ein Konzept, das (nicht nur) meiner Ansicht nach auch liberalen Grundüberzeugungen widerspricht und eher konservativem bis reaktionärem Gedankengut zuzurechnen ist. Ansonsten: Der Libertarianismus ist vielleicht der Marxismus der Liberalen. Aber ich erwarte auch von einem Sozialdemokraten, sich im Zweifelsfalle klar vom Marxismus zu distanzieren. Tut er das nicht, werde ich ihn politisch bekämpfen.

    @19 (Rayson):
    Die Empfehlung für Blogsome kann ich nur unterstreichen. Bis auf gelegentlich mal lange Antwortzeiten hat auch bei mir alles gut funktioniert. Nebenbei: Ich fühl mich bei euch zweien auch sehr wohl. :)

    Kommentar von Karsten — 24.11.2005 @ 18:10 (UTC)

  21. Brauchen wir nicht gerade solche radikalen Utopien die uns antreiben und die einen dazu bringen bestimmte Gedanken auch mal konsequent zu Ende zu denken?

    Nein.

    die Liberalen haben eben ihre “natürliche Ordnung”.

    Das ist in etwa so absurd wie die Konservativen haben ihre antiautoritäre Erziehung, die GRÜNEN haben ihren Militarismus oder die Katholiken haben ihren Partnertausch.

    Kommentar von Patentizität — 24.11.2005 @ 19:48 (UTC)

  22. @Karsten

    Jedenfalls stehen die Theorien von Hoppe nicht auf dem Boden dessen, was dieses Land seine Verfassung nennt. Von der Priorität der Menschenwürde bis hin zum “sozialen” Rechtsstaat negiert er da so ziemlich die Basis unserer Gesellschaft.
    Und? So weit ich weiß enthält unsere Verfassung das sogenannte “Sozialstaatsprinzip”, was ja dann wohl bedeutet, daß sogar Klassisch Liberale Verfassungsfeinde sind.

    Ich dachte immer es ist ein Markenzeichen von Liberalen, eben bestehende Gesetzte in Frage zu stellen. Nicht alles, was in Gesetze gegossen ist, ist auch mit Recht gleichzusetzen auch wenn es die Verfassung ist. Also das kann ja wohl nicht das Kriterium sein.

    Kommentar von Matthias B. — 24.11.2005 @ 20:01 (UTC)

  23. Rayson,

    Danke für die Blumen.

    Da nich’ für ;-) .

    Da wir das alles nur hobby-mäßig vor uns hinstümpern, werden wir uns zwar bemühen, Themenbreite und -tiefe zu maximieren, aber dennoch werden wir zwischendurch immer wieder unheimlich flach und einseitig werden.

    Maximieren, maximieren…ts. Typisch liberal ;-) . Ich hab’ euch doch nur gebeten, so zu bleiben, wie ihr seid. Zum Zustand der SPD ausgerechnet Scharping und Münchau zu zitieren, brauche ich allerdings auch nicht. Weil bald Weihnachten ist, wünsche ich mir Volkspartei-Bashing von Prof. Walter oder meinetwegen Warnfried Dettling.

    Karsten,

    Oh, ich verstehe nicht genug von Wirtschaftswissenschaften, um die Zeitpräferenz-Theorie auf ihre Wahrheit hin zu überprüfen. Für mich scheint sie nicht ganz unlogisch und ist vor allem nur ein Nebenkriegsschauplatz, wenn man sich über Hoppe streitet.

    Bevor ich hier als ein weiterer Soze in die Annalen eingehe, der sich zu Wirtschaftsthemen äußert, obwohl er davon keine Ahnung hat: nachdem ich bei Jo@chim etwas zu Zeit-Präferenz gefunden habe, nehme ich meine Pauschal-Kritik an dem Begriff zurück. Das ändert aber nichts daran, dass ich die von Hoppe gewählten Beispiele (Alte, Homosexuelle, Vergewaltiger, Politiker) für verfehlt halte. Immerhin: er erwähnt auch kleine Kinder. Und die kann man - neben Todkranken - nun wirklich als Beispiele anführen. Da sich Hoppe aber absichtlich dieser auf Krawall gebürsteten Beispiele bedient, ist das m.E. bei der Betrachtung des “Phänomens Hoppe” durchaus kein Nebenkriegsschauplatz. Wenn es ihm um die Sache ginge, dann wäre er gut beraten, den Ball ein bißchen flacher zu halten.

    Matthias B.,

    Ansonsten scheint mir die Aufgeregtheit um Hoppe ein typisches Phänomen zu sein, welches immer dann auftritt, wenn man sich mit bestimmten Ansichten von bestimmten Personen oder Personengruppen nicht intensiv genug beschäftigt hat.

    Nö. Ich selbst rege mich zwar nicht über Hoppe auf, halte das aber für nachvollziehbar. Hoppe will doch gerade aufregen. Deshalb sind die von ihm gewählten Aufreger ja auch fein auf das jeweilige Land abgestimmt: in Deutschland wendet er sich gegen das Volksverhetzungsverbot und die Parteien, in den USA legt er sich mit der ACLU an. Wie intensiv man sich mit ihm beschäftigt hat, ist dabei absolut nachrangig.

    Ich brauche für Hoppe kein Etikett. Hoppe ist Hoppe. Seine Kritik an Politikern, Parteien und der Demokratie überhaupt ist bedenkenswert.

    Brauchen wir nicht gerade solche radikalen Utopien die uns antreiben und die einen dazu bringen bestimmte Gedanken auch mal konsequent zu Ende zu denken?

    Hoppes Alternativangebot ist für meinen politischen Alltag völlig wertlos, weil ich an der parlamentarischen Parteien-Demokratie festhalten möchte. So lange noch nicht alle Möglichkeiten, die Demokratie bietet, ausgeschöpft sind, sehe ich keinen Anlass, davon abzurücken. Insofern kann ich mir eine weitere Beschäftigung mit Hoppe sparen.

    Kommentar von Marian Wirth — 24.11.2005 @ 20:38 (UTC)

  24. @ Marian (23)

    Da nich’ für ;-)

    Vertraute Klänge ;-)

    Zum Zustand der SPD ausgerechnet Scharping und Münchau zu zitieren, brauche ich allerdings auch nicht. Weil bald Weihnachten ist, wünsche ich mir Volkspartei-Bashing von Prof. Walter oder meinetwegen Warnfried Dettling.

    Nächste liberale Lektion: Das Leben ist kein Wunschkonzert. Musst du dir schon selbst bloggen ;-)

    Kommentar von Rayson — 24.11.2005 @ 22:23 (UTC)

  25. @ Patentizität (21)

    Brauchen wir nicht gerade solche radikalen Utopien die uns antreiben und die einen dazu bringen bestimmte Gedanken auch mal konsequent zu Ende zu denken?

    Nein.

    Ich finde schon. Manchmal alleine, um das zu Ende Gedachte nicht für gut zu befinden. Das ist vielleicht wie mit der Musik (jetzt begebe ich mich als Esel aufs Glatteis): Der Drang zum freien Improvisieren konsequent zu Ende gedacht landet beim Free Jazz. Den mag ich nicht hören, aber ohne diesen Drang bekäme ich auch nicht die in meinen Ohren wohlklingenden langen Improvisationen in sanfteren Jazz-Stücken.

    Kommentar von Rayson — 24.11.2005 @ 22:30 (UTC)

  26. @Matthias B. (22):
    Für mich stehen die ersten Artikel des Grundgesetzes nicht zur Disposition. Den prinzipiellen Sinn des Sozialstaates anzuzweifeln, gehört meines Wissens nach auch nicht zu den liberalen Dogmen. Ich kritisiere die Art, wie soziale Sicherung hierzulande organisiert ist, weil ich sie für falsch halte. Eine solidarische Gesellschaft im Prinzip aufzugeben, das kommt für mich nicht in Frage.

    @Marian (23):
    Gut, vielleicht sollte ich Hoppe als den Stefan Raab der libertären Lehre sehen, jemanden, der einfach aus Freude und Öffentlichkeitsdrang provoziert. Dann lasse ich mich vielleicht auch selbst nicht so leicht provozieren wie in meinem ersten Kommentar… Ansonsten: Einverstanden.

    @Rayson:
    Schöner Vergleich. Dass ich damals überhaupt auf die Anarchokapitalisten gekommen bin, lag auch an einer gewissen Lust, mich ärgern zu lassen - durch gewagte Gedanken, die eben nicht irgendein durchsichtiger Quatsch sind, sondern messerscharf gedacht. Gerade im Fall AnKaps hat es mich lange gewurmt, dass ich keine innere Antwort auf ihre Thesen gefunden habe; sie schienen mir nur irgendwie falsch. Daher fand ich es auch ganz befreiend, mal ein Posting dazu zu machen - der Trackback funktioniert übrigens nicht, also ganz konventionell:

    Posting bei mir

    Kommentar von Karsten — 24.11.2005 @ 23:47 (UTC)

  27. zu #15: Im Interview von Hoppe mit Québecois libre habe ich leider keinerlei antisemitische Töne entdecken können. Aber vielleicht ist mein Französisch nicht gut genug und ich habe da irgendeinen Unterton verpasst?

    Was Chomsky angeht, habe ich leider außer seiner Transformationsgrammatik noch nichts gelesen, daher kann ich nicht beurteilen, ob das Etikett “antisemtisch” auf ihn zutrifft.

    zu “eigentümlich frei”:

    “eigentünmlich unfrei” sieht sich durchaus nicht als Sprachrohr nur für Ankaps, sondern für alle Radikalliberalen. Auch Hoppe ist hier sehr kontrovers diskutiert worden. André L. ist auch offen für alle sachlichen Beiträge von “Normalo-Liberalen”, “Minimalstaatlern” und sonstigen liberalen K-Gruppen (K für Kapitalismus), vor allem für solche Beiträge, in denen auf leichtfertige Etikettierungen verzichtet wird.

    Kommentar von David — 25.11.2005 @ 14:17 (UTC)

  28. Ich finde schon. Manchmal alleine, um das zu Ende Gedachte nicht für gut zu befinden.

    Im Prinzip spricht sicher nichts dagegen auch mal krudes Zeug zu lesen.

    Das ist vielleicht wie mit der Musik (jetzt begebe ich mich als Esel aufs Glatteis): Der Drang zum freien Improvisieren konsequent zu Ende gedacht landet beim Free Jazz. Den mag ich nicht hören, aber ohne diesen Drang bekäme ich auch nicht die in meinen Ohren wohlklingenden langen Improvisationen in sanfteren Jazz-Stücken.

    Free Jazz variiert bzw. zerhackstückt Themen bis zur Unkenntlichkeit. Die Musiker, mögen sie dabei auch noch so viele Dissonanzen produzieren, beherrschen in der Regel ihre Instrumente.

    Wobei Hoppe in diesem Zuge, soweit ich das erkennen kann, im Endeffekt und unter verkehrten Vorzeichen bezüglich Kapitalismus eher Marx sowie Marxismus mit einem Hegel-Motiv (Familie, Familie, Familie) spielt als Anarchismus, und dabei das Instrument Gesellschaftstheorie nicht beherrscht. Was nicht nur schräg klingt, sondern eben auch schlecht.

    Zumal kundige Free Jazzer vor allem dann mit der Zunge schnalzen, wenn sie variierte und rekombinierte Motive und Themen nur in Ansätzen erkennen können, ansonsten ist das Genre verfehlt. Insofern dilettiert Hoppe noch nicht mal beim Free Jazz, sondern führt mit verstimmten Instrument im 21 Jhd. die Volksmusikvariante von Standards aus dem 19. Jhd. auf und fühlt sich dabei avantgardistisch.

    Kein Wunder also, dass im Kontext dieser Diskussion der Name eines anderen Dilettanten, Noam Chomsky, fällt. Der gibt seine Konzerte vor einem größeren, vor allem aber ganz anders gestimmten Publikum, das Genre ist jedoch dasselbe: Volksmusik, vulgäre Variante.

    Da lässt es sich für manche so schön schunkeln, ganz unironisch.

    Kommentar von Patentizität — 25.11.2005 @ 16:01 (UTC)

  29. @David

    Ach, das Widerkäuen des abgestandenen Vorwurfs, die Unterstützung Israels würde die Terroristen erst zu ihren Taten anregen, ist eine alte, gern von Antisemiten dargebrachte Leier.
    Aber vielleicht ist das für Hoppe auch nur ein Mosaiksteinchen gewesen, um ein hübsch provokantes Bildchen zu basteln und er hat nicht weiter drüber nachgedacht.

    Kommentar von Boche — 25.11.2005 @ 18:41 (UTC)

  30. Ich meine, das schon einer der ersten Einwände gegen Hoppe voll trifft. Wenn nämlich Hoppe eine Art “neuen Menschen” für seine Visionen fordert, dann entlarvt ihn das als realitätsfeindlichen Mann und Ideologen, dessen Ideologie im Anwendungsfall dem Menschen nicht gerecht werden kann.

    Man muss den Menschen nehmen wie er ist: Überwiegend gut, aber doch mit einer mitunter verhängnisvollen Neigung zum Bösen.

    Man könnte Hoppe zubilligen, dass er eine bestimmte Form libertären Denkens konsequent “zu Ende” zu denken versucht hat, weit über die Welt der Ökonomie hinaus - und ihm insofern dankbar sein.

    Über Hoppe hinaus meine ich, dass die Vergötzungen des Eigentums und “freier” Vertragsbeziehungen, sozusagen als primäres Staatsziel, staatsphilosophisch scheitern müssen, deshalb, weil Eigentum (so wichtig dies zweifellos ist) und private Verträge nicht alles leisten können, was wir uns von einem Gemeinwesen erhoffen.

    In einer Welt mit vernünftigen Ausgangsbedingungen und einer Art neuen Menschen mögen Hoppes Ideen funktionieren - sonst nicht. Die Empirie spricht gegen Hoppes Gesellschaftsideen.

    Kommentar von Dr. Dean — 26.11.2005 @ 0:13 (UTC)

  31. Hoppe ist ein Schüler von Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn, der sich zu Lebzeiten selbst als “neoliberalen Rechtsradikaler” bezeichnete. Er war kulturell ultra-reaktionär, Katholik, Monarchist (Österreich-Ungarn, lehrte allerdings in den USA) und ein Verfechter der freien Marktwirtschaft. Außerdem war er Geschichtsrevisionist, aber das sind in den USA überwiegend die Linken (und Linkslibertären) ebenso.

    Woher rührt die ganze Aufregung? Wollt Ihr Maulkörbe verteilen?

    Von Hoppe lohnt sich am meisten dessen Buch “Eigentum, Anarchie, Staat”.

    Kommentar von Paläo-Libertärer — 1.01.2006 @ 17:27 (UTC)

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