Traurig kräht der Hahn
Nun habe ich also unsere 12 Hühner eingesperrt.
Sie verfügen zwar mit Sicherheit über ein deutlich komfortableres Gefängnis als die Tausenden Artgenossen, die 500 Meter weiter das KZ des netten Bauern bewohnen - für einen Liberalen ist ein komfortables Gefängnis aber zu allererst immer noch ein solches und damit Quelle ständiger Seelenqual.
Diese Pein wird auch durch den “guten Zweck” nicht gelindert.
Ist “die Vogelgrippe” vielleicht doch nur ein aufgebauschtes Medienereignis, von der Politik genutzt, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und die eigene Existenz zu begründen?
Müssen meine Hühner unter politisch-medialen Inszenierungen leiden, die nichts oder nur wenig mit der realen Bedrohung zu tun haben? Ist die Hysterie angesichts einer angeblich drohenden Pandemie mit weltweit einer Million Toten berechtigt, wenn jedes Jahr weltweit 500.000 Menschen an ganz stinknormalen Grippen sterben?
Diese Fragen stelle ich mir, lese zum Thema Vorsorgehysterie die Weltwoche - während meine Hühner derweil weiter treu und brav ihre Eier legen.
An ihrer Stelle würde ich den Gefängniswärter bestreiken, das Eierlegen einstellen und für die freie Sicht auf den Oktoberhimmel kämpfen. Diesem Federvieh fehlt eindeutig die liberale Gesinnung.

Sperrt die Hühner weg!
Mit Dank an tholmes.free.fr
Addendum (24. Oktober): Boche von den “Bissigen Liberalen ohne Gnade” hat eigenes Federvieh, das er selbst wegsperren musste. In diesem Eintrag macht er sich Gedanken, ob den Hühnern vielleicht die liberale…
Kommentar von Liberale Stimme Online — 24.10.2005 @ 12:52 (UTC)
Ist “die Vogelgrippe” vielleicht doch nur ein aufgebauschtes Medienereignis
Dem stimme ich insoweit zu, als sich die Berichterstattung über das Thema in manchen Medien weniger an Risikoabschätzung orientiert, sondern mehr an Angst, einem probaten Aufmerksamkeitsgenerator.
Wohlwissend, dass der HN1-Virus bislang noch nicht in diesem unserem Lande aufgetreten ist und nur unter günstigen bzw. ungünstigen Bedingungen auf den Menschen überspringen kann, halte ich jedoch die vorläufige Kasernierung von freilaufendem Federvieh für eine angemessene Vorsichtsmaßnahme.
Und zwar auch dann, wenn der durchschnittliche deutsche Nutzfederviehhalter im Großen und Ganzen wohl einen weniger engen physischen Kontakt zu seinen Vögeln pflegt als der in südostasiatischen Gefilden.
(Allerdings kannte ich mal jemandem im Westerwald, nennen wir mal den Vogel-Tünnes, dessen Haltung zu/von Federvieh verschiedener Art nicht allein utilitaristisch bedingt war und der abends zuweilen in die Kneipe seines Kaffes einkehrte, um auch mit anderen Lebewesen zu kommunizieren. Obwohl ich ihm seine Lebensweise gönne, will ich, falls es ihn noch gibt, nicht, dass ein möglicherweise infizierter Zugvogel die Möglichkeit hat, mit seinen diversen Hühnern und Gänsen oder aber auch seinen Papageien in Kontakt zu geraten.)
von der Politik genutzt, Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und die eigene Existenz zu begründen?
Sowohl der (in anderen Fällen zurecht gescholtene) scheidende Verbraucherschutz- und Umweltminister als auch die ungeliebte Ministerin mit dem nasalen Aachener Platt äußerten sich zum Thema Vogelgrippe betont nüchtern.
Insofern sollte es hier zumindest schwer fallen, politischen Akteuren vorzuwerfen, dass sie auf einen medialen Angst-Hype aufgesprungen seien oder sich als Retter in einer (vermeintlichen) Not aufspielen.
Und da sich das politische System natürlich nicht aufs Repräsentieren beschränken kann, ist es sicher so, dass es durch politisches Handeln/Entscheiden indirekt seine Existenz begründet.
Ob jedoch die hier kritisierte Entscheidung, Nutzvögel vorläufig nicht frei laufen zu lassen, lediglich als Vorwand für die Demonstration politischer Handlungsfähigkeit dient, kann man mit gutem Grund bezweifeln.
Zumal der Wahlkampf gerade vorbei ist.
Kommentar von Patentizität — 24.10.2005 @ 14:05 (UTC)
Patentizität,
deinen Ausführungen kann ich natürlich zustimmen. So ähnlich klingt die Stimme der Vernunft auch in mir und versucht, das Mitleid mit den geknechteten Tieren zu übertönen.
Kommentar von Boche — 25.10.2005 @ 6:57 (UTC)
Wie wäre es daher, wenn du bei der PETA-Ingrid einen kleinen Ablass leisten würdest?
Kommentar von Patentizität — 25.10.2005 @ 10:56 (UTC)
Der PETA-Ingrid zuliebe werde ich am Wochenende einen Hahn schlachten.
Kommentar von Boche — 25.10.2005 @ 11:09 (UTC)
Du trägst wohl Lederschuhe, was?
Kommentar von Patentizität — 25.10.2005 @ 12:51 (UTC)
Ich bin voll traurig, wo ich doch der war wo am meisten für meine Hühner bemitleiden sich einsätzte.
Bleibt die Frage: Führen Stoffschuhe zu Sprachblödheit?
Kommentar von Boche — 25.10.2005 @ 13:03 (UTC)