Linkspartei gegen Stasi-Beauftragte
Im Volksmund heißt es: “Getroffene Hunde bellen.”
Hier sind die Hunde die linkspopulistischen SED-Nachfolger der Linkspartei. Deren Wahlkampfleiter Ramelow warf Marianne Birthler, der Beauftragten für die Stasi-Unterlagen, Amtsmissbrauch vor.
“Frau Birthler hat gezeigt, dass sie nicht die notwendige Sachlichkeit an den Tag legt, um dieses Amt ausüben zu können”
(Quelle)
Was war geschehen? Wie wir hier bereits berichtet haben, hatte Frau Birthler gemeldet, dass mindestens 7 Abgeordnete der Linkspartei bekanntermaßen informelle Mitarbeiter der Stasi gewesen sind.
Nun stellte sich heraus, dass Frau Birthler diese 7 Ex-Spitzel weniger unter den tatsächlich in den Bundestag Eingezogenen sondern vielmehr auf den Wahllisten und zwar an chancenreichen Positionen gefunden hatte.
Ändert dieser Lapsus irgendetwas am (wenn man nicht - wie die WASG-Kanaille - linke Ideologie dem Anstand vorzieht, eigentlich) skandalösen Umstand, dass die Linkspopulisten Spitzel zur Wahl stellen? Nein.
“Ramelow bezeichnete Birthlers Vorgehen als “unglaublichen Fauxpas”. Sie habe fahrlässig wie eine “politische Plaudertasche” die “Stasi-Keule” geschwungen, erklärte er der Presseagentur ddp.”
(Quelle)
Der werte Herr Stasi-Relativierer-Ramelow vergisst offensichtlich, dass diese Keule nichtsdestotrotz ganz offensichtlich richtig und zielgenau die tatsächlichen Ex-Stasi-Zuträger traf.
Manchmal möchte man einfach nur noch zur tatsächlichen Keule greifen. Manchmal bereut man als Ostdeutscher, dass die 89′er Revolution friedlich geblieben ist, wenn man sieht, welche Brut sich heute wieder reckt und streckt und rotzfrech zu Wort meldet.
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(Dank an David Harnasch für den Hinweis auf die Nachricht.)

Naja, aber wenn es Frau Birtler wirklich wichtig gewesen wäre, dass keine ehemalischen Stasi-Mitarbeiter im Bundestag sitzen, dann hätte sie das vor den Wahlen ansprechen können. Was nützt es mir nach der Wahl davon zu erfahren?
So aber sieht es so aus, als ob das Wahlergebnis abgewartet wurde, dann festgestellt, dass nur die Linke-Fraktion betroffen ist und das dann lanciert.
Das andere ist, ob das nach 15 Jahren immer noch so interessant ist?
Kommentar von marcc — 26.09.2005 @ 10:37 (UTC)
Und was wäre gewesen, wenn sie es vor der Wahl gesagt hätte? Ich kann mir das Szenario lebhaft vorstellen - in ihm wären u.a. die Worte “Kampagne”, “Diffamierung”, “Wahlbeeinflussung” etc. vorgekommen.
Und dass es noch interessant ist, kannst du nicht nur an Birthlers Meldung, sondern schön auch an der Reaktion der PDS/ML erkennen. Ich halte es durchaus für eine politikrelevante Information, wenn eine Fraktion nicht nur kein Problem damit hat, Stasi-Spitzel in ihren Reihen aufzuweisen, sondern auch noch aktiv gegen deren Enttarnung auftritt. Wenn man weiß, was deren Tätigkeit für den Einzelnen in der DDR an Folgen haben konnte, wünscht man sie sich nicht unbedingt als Volksvertreter, oder schlimmer noch: als ausgerechnet für “den Osten” eintretende Volksvertreter.
Kommentar von Rayson — 26.09.2005 @ 10:48 (UTC)
“Das andere ist, ob das nach 15 Jahren immer noch so interessant ist?”
Ob es interessiert, muss natürlich jeder für sich entscheiden. Die West-Linke jenseits der SPD-Grenzen hat sich ja offensichtlich für das Schwamm-Drüber-Motto entschieden.
Ebenso das Viertel Ostdeutscher, denen gefühlsseliges Ossi-Protestwählen wichtiger ist als die Erinnerung an die totalitäre Vergangenheit.
Ich, als ebenfalls ostdeutsch Aufgewachsener, finde es gelinde gesagt zum Kotzen, dass sich die SED-Diktaturzuträger heute wieder so unverschämt gebärden können.
Kommentar von Boche — 26.09.2005 @ 11:00 (UTC)
Der Ramelow ist der Richtige. Ein “Wessi”, der den “Ossi” spielt. Er musste ja nicht in Unterdrückung und Unfreiheit leben. Als Gewerkschaftsfunktionär solidarisiert er sich mit den Betonköpfen von damals und mit deren Spitzelvergangenheit und macht die Täter von damals zu Opfern politischer Kampagnen von heute. Seinen Landeslistenplatz in Thüringen hat Ramelow bekommen. Und darauf kommt es ja an. Wenn der Kaufmann dafür den Anwalt von einigen SEDlern geben muss, macht er das doch gern.
Kommentar von EuroNeuzeit — 26.09.2005 @ 12:11 (UTC)
Im Osten nichts Neues
“Getroffene Hunde bellen” meint B.L.O.G.
[…] “Ramelow bezeichnete Birthlers Vorgehen als ‘unglaublichen Fauxpas’. Sie habe fahrlässig wie eine ‘politische Plaudertasche’ die ‘Stasi-Keule’ geschwungen, erklärte er der Presseagentur ddp….
Kommentar von BierhalunkenBlog — 27.09.2005 @ 9:15 (UTC)
Kurt Georg Kiesinger war Mitglied der NSDAP von 1933 bis 1945. Hans Filbinger ließ als Richter noch in den letzten Kriegstagen desertierte Matrosen hinrichten. Erich Mende trug auch nach dem Zusammenbruch des deutschen Reiches noch gerne sein Ritterkreuz, Karl Carstens war seit 1933 in der SA. Die Beispiele lassen sich in fast beliebiger Zahl fortsetzen - dagegen sind nur sehr wenige Unterstützer des DDR-Regimes in hohe Positionen gekommen. Das finde ich zwar gut so, aber man sollte sich da nicht zu sehr über die ehemaligen Stasi-Mitarbeiter aufregen: Immerhin ist es nur eine Handvoll.
Kommentar von Karsten Dürotin — 28.09.2005 @ 9:25 (UTC)
“…man sollte sich da nicht zu sehr über die ehemaligen Stasi-Mitarbeiter aufregen: Immerhin ist es nur eine Handvoll.”
Dass die nationalsozialistische Diktatur schlecht bewältigt wurde, kann meines Erachtens kein Grund sein, bei der sozialistischen Diktatur ein Auge zuzudrücken.
Und wer sollte sich überhaupt noch aufregen, wenn selbst Zeitzeugen und Ex-DDR-Bürger die Stasi-Schergen klaglos im demokratischen deutschen Parlament dulden?
Kommentar von Boche — 28.09.2005 @ 10:01 (UTC)
Ich halte zwar Birthlers Vorgehen durchaus für etwas link, überhaupt bin ich bei dieser Dame ein wenig reserviert, aber allemal tröstenlich ist für mich der Gedanke, dass es sich dabei um eine Art ausgleichende Ungerechtigkeit handelt.
Der Aufklärung wurde gedient.
Glauben dies PDS-ser tatsächlich, das sie gleichzeitig den totalen Staat glorifizieren können (in Vergangenheit und Zukunft), und dann auch noch Legitimität besitzen, kleinere durchaus etwas unfaire Kompetenzüberschreitungen der Gegenwart ein grobes Unrecht zu heißen?
Niemand ist ein Schaden entstanden.
Kommentar von Dr. Dean — 29.09.2005 @ 12:38 (UTC)
Worin siehst du die “Kompetenzüberschreitung”?
Kommentar von Boche — 29.09.2005 @ 12:41 (UTC)