B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

9.08.2005

Eine Stimme in der Feuilleton-Wüste der ZEIT

Abgelegt in: Politik

Die hier von mir bereits angesprochene ZEIT-Serie, die sich mit der Zukunft des Kapitalismus beschäftigte oder beschäftigen wollte, fand im Feuilleton statt.
Man kann die Hoffnung hegen, dass die Verbannung dieser dumpfen Sammlung antikapitalistischen Unfugs in die “Jeder darf mal schöngeistig daherreden”-Abteilung deswegen erfolgte, weil in den Politik- und Wirtschaftssparten der ZEIT noch genug Verstand vorhanden ist, um Schlimmeres zu vermeiden.

Heute habe ich nun die Leserbriefe zum Artikel gelesen.
Der Jessen-Beitrag zur besagten Serie fand anscheinend vor allem Zuspruch - wenn denn die Auswahl der abgedruckten Leserbriefe repräsentativ ist. Erstaunlich genug für ein liberales Blatt, von dessen Lesern man ein aufgeschlosseneres Verhältnis zu freiheitlichen Wirtschaftsformen erwarten könnte.
Aber zumindest eine Stimme der Vernunft gab es im Jubelgeschrei der anti-liberalen Nutznießer des kapitalistisch erwirtschafteten Wohlstands. Sie gehört einem Professor aus Potsdam. Seinen Beitrag zitiere ich hier in voller Länge. Leserbriefe an die ZEIT sind online leider nicht verfügbar.

“Woher kommt nur der abgrundtiefe Hass der Linksintellektuellen auf den Kapitalismus und den freien Markt? Es liegt wohl doch daran, dass sie keinen echten ‘Marktwert’ haben, der Kapitalismus sie nicht wirklich braucht, sie geradezu ignoriert. Anders kann ich mir die Engstirnigkeit von Herrn Jessen nicht erklären, mit der er freie Märkte mit Totalitarismus gleichsetzt und dazu auch noch Hannah Arendt instrumentalisiert.
Chefideologen haben im Kapitalismus eben wenig Konjunktur. Da klagt Herr Jessen über die ‘hysterische Abfolge technologischer Neuerungen’, während anspruchsvolle Technik umweltfreundlich sein Haus heizt, sein Auto sauber und sparsamer macht oder sein Leben gesünder und immer länger werden lässt.
Viele Produkte, die früher nur den Wohlhabenden vorbehalten waren, sind durch kapitalistischen Wettbewerb für jedermann preiswert verfügbar. Sozialer und demokratischer kann eine Wirtschaftsform wohl kaum sein.
Die Globalisierung trägt jetzt diesen Wohlstand auch in die ärmeren Länder der Welt. Für Deutschland, einen der größten Profiteure freier Marktwirtschaft in den letzten 50 Jahren, zeigt sich jetzt die angeblich ‘grimmige Maske des Kapitalismus’ doch nur deshalb, weil wir uns zu langsam anpassen.”
(Zitat eines Leserbriefs von Herrn Prof. Stephan Wilksch, Potsdam; aus der ZEIT Nr.32, Leserbriefe auf Seite 16)

Herr Professor Wilksch - herzlichen Dank!

Eine Meinung »

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  1. Ein feiner Leserbrief, der mit wenigen Sätzen den üblich gewordenen Kapitalistenwatsch abwehrt. Gut, das lesen zu können — auch ohne Zeit-Abo. ;)

    Kommentar von Tilman — 10.08.2005 @ 10:17 (UTC)

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