B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

2.08.2005

Begräbnis eines realistischen Lügners

Abgelegt in: Politik

König Fahd ist tot. Viel Emotionen verbinden sich für mich nicht mit dieser Nachricht.
Ein Monarch und undemokratischer Herrscher weniger.
Unter seiner Führung Menschen sind öffentlich hingerichtet worden, und weltweit wurde die Unterweisung von Muslimen in eine besonders puritanisch-fundamentalistische Ausprägung des Islam finanziert.
Aus diesem Schoß krochen zum Beispiel die Attentäter des 11. September.

Aufgemerkt habe ich aber bei folgender Spiegel-Meldung:

Ein schlichtes Grab für König Fahd

Die Zeremonie soll kein bisschen pompös, das Grab schlicht sein: Das Begräbnis des verstorbenen saudi-arabischen Königs Fahd findet nach der Tradition der streng islamischen Wahhabiten statt.”

Verlogenheit bis in den Tod.
Während die gesamte Sippschaft des Königs bekanntermaßen in Saus und Braus lebt und dabei keinen Luxus verschmäht, wird nach außen die Lehre von der Bescheidenheit und Gleichheit vor Allah weiter verbreitet.
Zumindest intern waren die Herrscher also realistisch genug zu wissen, dass Glückseligkeit während des Lebens anzustreben ist.
Wenn der tote Leib dann der Erde übergeben wird, kann man sich wieder Bescheidenheit leisten, weil es dann sowieso egal ist.

Es ist bei dieser Verlogenheit allerdings kein Wunder, dass sich Verblendete finden, die dieser Bande von Lügnern den von ihnen selbst propagierten fundamentalistischen Islam entgegensetzen.
Statt individuelle Freiheitsrechte und Demokratisierung zu fordern.

4 Meinungen »

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  1. Der Beduinen-Mythos ist für arabische Staaten oft ebenso konstitutiv wie der der Pioniere für die USA. Es handelt sich also mehr um einen symbolischen Akt, so wie Gaddafi seine Gäste im Zelt zu empfangen pflegt.

    Über den verstorbenen König glaube ich mal gelesen zu haben, dass der tatsächlich zumindest in seiner nach außen gekehrten Moral noch die “alten Werte” pflegte. Aber vielleicht war das auch sein Vorgänger Feisal.

    Kommentar von Rayson — 2.08.2005 @ 9:26 (UTC)

  2. Ich glaube, es ist durchaus mehr, als nur ein symbolischer Akt im Rahmen eines nationalen Mythos.
    Die Muslime begraben ihre Toten ja deshalb in einfachen Tüchern, weil dies Ausdruck der Gleichheit vor Allah ist.
    Auch sind (eigentlich) Verzierungen der Gräber aus diesem Grund nicht gern gesehen.

    Es geht also durchaus um ein religiöses Thema. Und angesichts dessen finde ich den Kontrast zur Lebenswirklichkeit der saudischen Königsfamilie einfach bemerkenswert.

    Kommentar von Boche — 2.08.2005 @ 9:35 (UTC)

  3. Gleichheit vor Allah erzwingt ja keineswegs Gleichheit der Gläubigen im Irdischen…

    Kommentar von Rayson — 2.08.2005 @ 9:44 (UTC)

  4. Deshalb schrieb ich ja vom realistischen Lügner. ;-)
    Denn wenn man erst nach dem Sterben sagt: “Gott, übernehmen Sie!”, kommt eine Art Realismus heraus, die mir gefällt.

    Kommentar von Boche — 2.08.2005 @ 9:54 (UTC)

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