Schuld ist der Imperialismus!
Konnte man nach den Anschlägen in London bei Manchem untergründig wieder dieselbe Gefühlsregung spüren wie nach dem 11. September (”Traurig für die Opfer, aber verständlich, dass Menschen Hass auf dieses Land verspüren und deshalb solche schlimmen Dinge tun…”), ist es nach den Mordanschlägen in Ägypten mal wieder still.
So funktioniert selektive Wahrnehmung: Was nicht ins Bild passt, wird ausgeblendet.
Oder die Puzzleteile des Bildes werden so grob vereinfacht zusammengesetzt, dass anschließend genau das sicher feststeht, was man vorher ja schon wusste:
Schuld ist der US-Imperialismus, schuldig sind die Juden und Israel.

Die Informationen über den Vorfall am 7.07. schliessen nicht eine Geheimdienstbeteiligung. Die Behauptungen, jemand hätte gesagt Imperialisten, Juden usw sind schuld, sind absolut sinnlos. Vor allem bei der Menge an Informationen, die über den 11 September herauskamen. Bitte ein bisschen mehr lesen!
Ein Buch als Anfang: Die Schatten der Globalisierung, Joseph Stiglitz. Stiglitz war mal Präsident der Weltbank, führender Wirtschaftswissenschaftler, Nobelpreisträger. Da kommt es raus, was es mit dem Imperialismus auf sich hat.
Ein Weiteres: Terror und Staat, Ronald Thoden (hrsg.) - wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Terror, nicht nur in Amerika und nicht nur von den letzten 5 Jahren.
Und vergessen wir nicht den pakistanischen Geheimdienst - ISI, dessen Führung am 11.09.2001 bei einem Frühstück im Weißen Haus war und welche angeblich 100 000 Dollar an Mohamed Atta überwiesen haben soll. Es gibt viele Sachen, die man übersieht, wenn man sich nur durch die Medien Informationen verschafft.
Und glauben Sie wirklich, diese Terroristen würden uns nur deshalb hassen, weil wir eine Demokratie (oder zumindest Anzeichen für eine) haben? Klingt das nicht lächerlich?
Kommentar von GH — 25.07.2005 @ 9:50 (UTC)
“Die Behauptungen, jemand hätte gesagt Imperialisten, Juden usw sind schuld, sind absolut sinnlos.”
Sinnlos? Sie meinen, es gäbe diese Theorien nicht?
“Und glauben Sie wirklich, diese Terroristen würden uns nur deshalb hassen, weil wir eine Demokratie (oder zumindest Anzeichen für eine) haben? Klingt das nicht lächerlich?”
Das klingt in der Tat ein wenig lächerlich. Denn natürlich könnte man annehmen, dass es auch religiöse Fanatiker mit dem koranischen Auftrag, den Islam weltweit zu verbreiten, aus Gründen der Bequemlichkeit nicht allzu genau nehmen.
Wenn da nicht die innerarabischen Abtrünnigen gäbe, die vom Gift des Westens angesteckt wurden und plötzlich unislamische Dinge wie Freiheit und Gleichberechtigung fordern. Wenn man anfängt, diese Feinde im Inneren wegzubomben, abzuknallen und zu foltern, könnte man vielleicht doch auf die Idee kommen, das Übel an der Wurzel zu packen. Und im Westen selbst Feuer zu legen.
PS: Vielen Dank für die Literaturtipps. Ich vermute zwar zu wissen, was mich da erwartet, werde die Empfehlungen bei der nächsten Einkaufstour aber in Erwägung ziehen.
Aber ich revanchiere mich gern mal:
“Warum ich kein Muslim bin”
von Ibn Warraq
Ökonomie für den Menschen
von Amartya Sen
Kommentar von Boche — 25.07.2005 @ 10:03 (UTC)