B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

25.07.2005

Noch ein Opfer des Terrors

Abgelegt in: Politik

In den Nachrichten war die tragische Geschichte des Brasilianers Jean Charles de Menezes zu hören, der in London fälschlicherweise als Terrorist angesehen und von der Polizei erschossen wurde.
Mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen des Mannes. Das Vorgefallene berührt gerade deswegen, weil es jeden anderen von uns auch hätte treffen können. Und weil der Tod hier besonders sinnlos und grausam erscheint.

Nun werden Vorwürfe an die Polizei laut, von einer “Hinrichtung” ist die Rede.
Abgesehen davon, dass selbstverständlich untersucht werden muss, was genau falsch gelaufen ist - leichtfertig sollte man die Schuld nicht der Polizei aufladen.
Die Terroristen haben dieses Klima der Angst geschaffen. Ohne die tägliche Möglichkeit, dass zum Selbstmord entschlossene Menschen Bomben zünden, um möglichst viele Mitmenschen zu töten, wäre es nie zu diesem tragischen Vorfall gekommen. Das sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen, wenn man urteilt.

Und man sollte vielleicht einen Moment lang daran denken, wie es heutzutage sein muss, Polizist in solchen Situationen zu sein. Wie es sein muss, wenn man in jedem, der an einem begegnet, einen Menschen vor sich haben könnte, der im nächsten Moment zur lebenden Bombe wird. Man sollte sich vorstellen, man selbst hätte die Aufgabe, die Mitbürger vor solcher Gefahr zu schützen. Und man selbst könnte zudem jeden Moment der erste sein, der von der nächsten gezündeten Bombe getötet würde.

Gedenken wir Jean Charles de Menezes und seinen verständlicherweise von Wut, Verzweiflung und Trauer heimgesuchten Angehörigen.
Und denken wir an die eigentlichen Mörder dieses jungen Mannes - denken wir an die von einer totalitären Ideologie fanatisierten Mörder, die genau das beabsichtigt haben: Wut, Verzweiflung und Trauer in unserer Welt zu säen.

6 Meinungen »

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  1. Tragisch für den Betroffenen und seine Familie, aber ich gebe zu, dass ich am Verhalten der Polizei gar nichts wirklich falsches finden kann. Natürlich steht mir nur das zur Verfügung, was die Zeitungen schreiben und eine Untersuchung wäre bestimmt gut, um weitere derartige Vorfälle verhindern zu können. Dennoch, was hätte die Polizei machen sollen? Einen Terrorverdächtigen davonlaufen lassen? Er wurde ja wohl vorher zum Stehenbleiben aufgefordert und nicht ohne Warnung über den Haufen geschossen. Musste also die Polizei nicht davon ausgehen, dass er tatsächlich etwas zu verbergen hatte?
    Im ersten Moment fand ich die Vorgehensweise “shoot to kill” über hart. Allerdings, wenn es tatsächlich ein Selbstmordattentäter gewesen wäre, hätte er sonst die Möglichkeit gehabt, die Bombe zu zünden und die Umstehenden in den Tod zu reißen…

    Meiner Meinung nach kein ganz einfaches Thema.

    Kommentar von Maigrey — 25.07.2005 @ 9:45 (UTC)

  2. …und jetzt stelle man sich einen Staat vor, der noch 20x paranoider ist. Die Briten sind ja “noch” relativ ruhig. Aber son toter Terrorverdächtiger das fällt dann wohl unter den Begriff “Kollateralschaden”. Aber war ja eh nur ein Ausländer…wasn glück.

    Kommentar von quadrat@punktlog.de — 25.07.2005 @ 11:18 (UTC)

  3. @quadrat

    Was wolltest du jetzt mit deinem Beitrag genau sagen?
    Dass du andere für mindestens so zynisch hältst wie dich selbst?

    Kommentar von Boche — 25.07.2005 @ 11:25 (UTC)

  4. Boche ist nicht weniger zynisch als diejenigen, die bei den Anschlägen auf die USA zeigten. Er ist nur das spiegelbildliche Gegenstück! Nicht die Bullen haben den Brasilianer abgeknallt. Nein! Die richtig Schuldigen sind die Terroristen selbst! Beim ihnen müssen sich die Angehörigen beschweren. Nicht bei den Beamten und deren auftraggebendes Gewaltmonopol! Super Logik! Peinlich, peinlich, Boche.

    Kommentar von Horst — 25.07.2005 @ 14:37 (UTC)

  5. Du meinst also, dass dieses Vorkommnis ohne die Selbstmordterroristen in Londoner U-Bahnen genauso hätte passieren können?
    Dass die Londoner Polizei gern mal eben Passanten niederstreckt? Quasi aus bösen, gewaltmonopolistischen Trieben heraus?

    Hattest du da eben etwas von Logik geschrieben…?

    Kommentar von Boche — 25.07.2005 @ 14:41 (UTC)

  6. Zynische Wahrscheinlichkeiten

    Amigoboom meint zu der tragischen Erschießung des Brasilianers Jean Charles de Menezes:
    If it walks, talks, and quacks like a duck during duck season, it’s gonna get shot
    Da ist wohl leider etwas Wahres dran. Apollon und Boche haben den unme…

    Kommentar von Unfrisiertes — 25.07.2005 @ 18:29 (UTC)

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