B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade

29.07.2005

Genosse Kriegsberichterstatter Schölzel

Abgelegt in: Politik

Sicher - so langsam laufe ich Gefahr, mir den Vorwurf einzuhandeln, mein Interesse für obskure Seiten, die sich mit Rote-Fahnen-Folkloristik schmücken, könne Ausdruck für eine vergangenheitsbedingte Perversion sein.
Trotzdem finde ich es erfrischend, mir ab und zu mal einfacher gestrickte Weltdeutungen zu Gemüte zu führen.

Heute geht es um deutsche Killer auf dem Balkan, um Frontenkriege und gedrückte Masseneinkommen. Und es geht mal wieder um das in seiner Blödheit am unbeschwertesten daherkommende Ex-DDR-Blättchen “Junge Welt”.

Jemand, der sich Arnold Schölzel nennt, breitet sich über den Kapitalismus aus. Als Anlass dient ihn der zugegebenermaßen immer peinlicher wirkende Zweck- oder besser: Not-Optimismus des Ministers Clement, der Arbeitslosenzahlen, ohne auf die konkrete Quote zu blicken, zuverlässig als Signale des Aufschwungs zu deuten vermag.

Herr Schölzel nun scheint knackige Vergleiche zu lieben. Die Schönrednereien des Ministers erscheinen ihm plötzlich wie die optimistischen Frontmeldungen der Nazis, als der Krieg längst verloren war. (Gegen wen? Herr Schölzel wird antworten: Gegen die ruhmreiche Rote Armee! Vor Westfronten und Alliierten zuckt sein antikapitalistisches Geschichtswissen angewidert zurück.)

Nun gut, jetzt kann man sagen: Wer als gebildet sein wollender Deutscher keine Argumente hinbekommt, vergleicht das aktuell grad Verhasste mit den Nazis.
Aber Schölzel treibt es wirklich bunt.
Ein flotter verschwörungstheoretischer Sprung (“Die Hauptursache [der Arbeitslosenzahlen; Anm.d.V.], Kapitalismus, darf in den staatstragenden Medien nicht erwähnt werden, wie im Haus des Gehenkten nicht vom Strick geredet wird.”), eine schlecht wiederholte realsozialistische Propaganda-Floskel (“Die deutschen »Eliten«, sprich: die Dreifaltigkeit von Großkapital, Politik und Militär…”) - und schwupps ist Genosse Schölzel bei einem von ihm beobachteten “Zweifrontenkrieg” des Kapitalismus:

“Nun läuft seit 15 Jahren vorerst der kapitalismusübliche Zweifrontenkrieg: Senkung der Reallöhne im Innern und Killerkommandos auf dem Balkan, am Hindukusch und in Afrika, Kostenreduktion und Erschließen neuer Märkte. Wer »in die Spitze zurück«, auf den Platz an der Sonne will, muß Masseneinkommen drücken und Angriffskriege führen. Der Rest ist Propaganda.”

Deutsche “Killerkommandos” auf dem Balkan? “Masseneinkommen”?
“Erschlossene Märkte am Hindukusch”?
Herr Schölzel hätte mit seinem Wochenendrausch bis nach Abliefern seines Kommentars warten sollen.
Zumindest ist es ihm gelungen, ein treffendes Schlusswort für seinen Erguss zu finden: Propaganda.

28.07.2005

Manchmal könnte man nur noch k…

Abgelegt in: Politik

Bei “Affektives und Affektiertes” wurde ich auf einen BILDblog-Artikel aufmerksam gemacht, der auf eine besonders eklatante Widerlichkeit der Dumpfjournalisten aufmerksam macht.

Man ist ja so manchen gewohnt, aber die heimliche Bejublung der Hinrichtung zweier Jugendlicher durch das islamistische Regime im Iran schlägt dem Fass den Boden aus. Und lässt die ganze homophobe Drecksbrühe, die in den Köpfen der BILD-Journaille zu wabern scheint, schön sichtbar werden.

26.07.2005

Zur ZEIT leicht vorrevolutionäre Eintrübungen

Abgelegt in: Politik

Nun hat der westliche Überdruss an der Freiheit und die Wohlstandsjammerei über die Zumutungen des Wettbewerbs also auch die gute, liberale ZEIT erreicht.
Zwar nur im Feuilleton, einer Sparte, die wohl jedem Journalisten Platz bietet, dem ein intellektueller Pups quer liegt - aber immerhin:
Ein altliberales Blatt übt sich in dumpfer Kapitalismuskritik - wenn das keine Freude für linksparteiische Systembetonierer und andere Freiheitsfeinde ist!

Apokalypse now! - Jens Jessen und das Ende der Welt

Jens Jessen ist es, der in der elften und letzten Folge der mit “Zukunft des Kapitalismus” benannten ZEIT-Reihe eine Zusammenschau verspricht und ein wahrlich apokalyptisches Gemälde entwirft.
Es ist wohl der gewollten Schönheit dieses Gemäldes geschuldet, dass einige Details unlogisch geraten und eine grundsätzliche Frage offen bleibt:
Wovon schreibt dieser Mann eigentlich?

“Sämtliche Autoren, die wir in unserer Serie zur »Zukunft des Kapitalismus« befragten, … waren sich darin einig, dass der Kapitalismus, der dem Westen Jahrzehnte märchenhaften Wohlstandes beschert hat, heute nur mehr als Bedrohung wahrgenommen werden könne.”

Das stimmt nicht. Ernst-Wilhelm Händler, Eva Illouz aber sogar Juri Andruchowytsch haben deutlich mehr Differenziertheit aufgeboten als Jessen selbst, haben den Kapitalismus zwar kritisiert, vielleicht noch sein nahendes Ende postuliert oder in ferner Zukunft erhofft - alle drei waren aber keineswegs verschlossen für die positiven Seiten dieses Systems.

“Selbst die Wirtschaftsführer, die in den Talkrunden des Fernsehens sorgenvoll ihr Haupt wiegen, beteuern glaubwürdig, dass sie dem System des freien Marktes ausgeliefert und in ihren Entscheidungen ohne Spielraum seien.”

Dieses Ausgeliefertsein, das “sogar” von denen beklagt wird, die Jessen als “Wirtschaftsführer” betrachtet (scheint da die unkapitalistische aber typisch deutsche Sehnsucht nach Führern durch, deren Wort “gilt”?), erstaunen ihn. Offensichtlich hatte er bislang angenommen, die Freiheit des Marktes wäre nur eine vage Drohung am Horizont des rheinisch-korporatistischen Vollkasko-Staates.

Unternehmerische Klagelieder

Abgesehen davon geht er den klagenden Unternehmern aber auch auf den Leim. Denn als Unternehmer hat man natürlich heutzutage keinen guten Stand.
Der allversorgende Staat ist pleite. Der Sozialstaatsbürger sucht händeringend nach der ausbleibenden Droge der Rundum-Versorgung, sein Blick bleibt zwangsläufig dort hängen, wo er das Geld vermutet: den Kapitalisten, den Unternehmern.
Welcher Unternehmer möchte in solchen Zeiten einem solchen Publikum die einfache Wahrheit erklären, dass Kapitalismus nie anders funktioniert hat? Dass die Deutschen bislang nur in einer weltwirtschaftlich günstigen Lage waren, weil die Armen bislang nicht mitmachen durften und deshalb Billigkonkurrenz praktisch nicht existierte?

Von der totalitären Freiheit Handel zu treiben

Jessen ist diese Taktik des verlogen-solidarischen Mitjammerns Beweis für mehr. Und zwar dafür, dass die marxistischen Systemkritiker doch Recht hatten. Und nicht nur das:
Der Kapitalismus erscheint ihm als neue totalitäre Bewegung!
Man hätte sich gewünscht, dass diesem absurden Vorwurf erst einmal eine Definition des Kapitalismus vorangestellt wird. Damit man weiß, auf welcher Grundlage man miteinander streitet.
Aber stattdessen baut Jessen wortreich einen Popanz auf. Der Kapitalismus erscheint dem Leser da nur noch als Spiegelbild, als durch Jessensche Protagonisten vertretenes System.
Das erleichtert natürlich die eigene Argumentation ungemein. Dadurch lassen sich widerspruchslos Scheingegensätze aufbauen, die dann als Fundament für ein ganzes Luftschloss aus Pseudoargumenten dienen.
Da kann vom “Sinken der Handlungsspielräume gegen null” fabuliert werden, in dem man sich auf die besagten Talkshow-Gäste aus den Reihen der Wirtschaft beruft. Als wäre unternehmerisches Tun ein vorgefertigter Weg, den man nicht verlassen könnte.
Da können “traditionelle Verteidiger des Kapitalismus” in die eigene Argumentation hineinge- oder -erfunden werden, die Dinge behaupten, welche Jessens Argumenten natürlich nicht Stand halten können.

Der Wettbewerb wird härter - und der Westler grummelt von Revolution

Die Globalisierung wird nicht etwa zur Marktteilhabe der bisher Ausgeschlossenen und Armen - nein: die Globalisierung ist ein Rückschritt in frühkapitalistische Zeiten! Das lässt Jessen denn auch Verständnis für die Linkspartei haben und von “vorrevolutionärem Unwillen” fantasieren. Das haben wir gern: Kaum soll der Kuchen wirklich mal geteilt werden, kaum fordern die bisherigen Hungerleider mal mehr als Brosamen vom Tisch der Live-Aid-Gutmenschlichkeit - schon droht der westliche Wohlstandsintellektuelle mit Revolution, weil ihm das plötzlich anstrengender werdende Spiel keinen Spaß mehr macht.
Die These, dass alle menschliche Interaktion auch als Tauschprozess definiert werden kann, wird nicht diskutiert - nein, sie wird als Beweis für den totalitären Charakter des Popanzes “Kapitalismus” genommen, den man sich selbst zum journalistischen Schattenboxen aufgestellt hat.
Jessen lässt kein Klischee aus, das nicht bereits zur Genüge von attac-Ideologen oder “Kein Blut für Öl”-Schreihälsen vorgekaut worden wäre. Da werden vom Kapitalismus Kriege geführt, die selbstverständlich dem Erzwingen des Freihandels dienen. Der natürlich etwas Schlimmes ist - vielleicht, weil die Hungerleider dadurch erstmals eine Chance auf echte Teilhabe bekommen?
Da wird die Unbeständigkeit der heutigen Arbeitsverhältnisse mit stalinistischen Säuberungen verglichen. Da wird die innerbetriebliche Machtverteilung gedankenlos extrapoliert und als Beweis für die Unfreiheit des Kapitalismus genommen.
Ja, da versteigt sich ein Herr Jessen zur widersinnigen Behauptung, dass ein Unternehmen sich “ungebunden und ohne jede Rücksicht auf Mitarbeiter und Kunden bewegen” könne.

Antiwestliches Rumoren im romantischen deutschen Herzen

Hätte er nur ein wenig genauer die Autoren dieser ZEIT-Serie gelesen, auf die er sich fälschlicherweise beruft. Dann wären ihm vielleicht folgende Zeilen Ernst-Wilhelm Händlers aufgefallen:

“Geldverdienen ist in der deutschen Kultur immer verpönt gewesen. Tatsächlich sind viele vom »Dritten Reich« angezogen worden, weil sie vom Thema »Verachtung des Geldes« fasziniert waren.”

Diese romantizistische, dem freien wirtschaftlichen Handeln gegenüber misstrauische, Geldverdienen als unmoralisch empfindende, dumpf-deutsche Ideologie ist es, die aus Jessens Ausführungen herausmüffelt.
Dass solche Gedanken nun schon den Weg in ehemals ehrwürdig-liberale Blätter wie die ZEIT gefunden haben, lässt allerdings Sorge aufkommen.

25.07.2005

FDP geht in die Offensive

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In der Financial Times Deutschland findet sich eine übersichtliche Zusammenfassung der Themen, mit denen die FDP in den Wahlkampf zieht.

Und ehrlich gesagt: Mich überzeugt es. Radikale Vereinfachung des Steuerrechts, Abschaffung der desaströsen gesetzlichen Krankenversicherungen, Wirtschaftsförderung durch Deregulierung…
Wenn sie es denn so vertreten, sobald sie die Chance haben sollten mitzuregieren, wäre viel gewonnen.

Erdfrucht, Butter, Salz

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Gestern habe ich die ersten selbstgeernteten Kartoffeln des Jahres gegessen. Red Duke of York - eine außen in wunderschönem Rot glänzende Kartoffel.

Der Geschmack war berauschend! Wohl auch, weil dies Erlebnis aus mehreren sinnlichen Puzzleteilen bestand:

Der Ernte - mit dem Vergnügen des Schatzsuchers, dessen Hände in feucht-warmer, duftender Erde nach Verborgenem tasten.
Dem Anblick des kleinen Bergs an geernteten Kartoffeln im Korb - Belohnung für den Schweiß und die Mühe der letzten Monate.
Und auf dem Teller dann das Aufbrechen der heißen, dampfenden Erdfrucht, dessen leicht bröckliges, hellgelbes Fleisch die Butter zum Schmelzen bringt und dann aufsaugt. Einige Körnchen Meersalz darüber - und der Genuss ist perfekt!

Big Brother Brüssel

Abgelegt in: Politik

Das Schlimme ist, dass es überall zu lesen ist, dass jeder davon weiß und dass es trotzdem niemanden aufregt. Ob es etwas bringt, wenn man das Vorhaben so klar wie möglich benennt? Versuchen wir es:

Die EU-Kommission plant, für jeden EU-Bürger Bewegungsprofile anzulegen. (Quelle: Artikel bei heise.de)
Nicht für konkrete Verdächtige, nicht für den unerkannten Schläfer von nebenan (wie auch?) - für alle Bürger!

Vorerst “nur” in der digitalen Welt des Internet und der Telefonie. Aber diese Beschränkung beruht lediglich darauf, dass es aus Kosten- und Imagegründen nicht machbar wäre, für jeden Bürger einen Polizei- oder Geheimdienstbeamten zur Rund-um-die-Uhr-Überwachung abzustellen.

Was man dagegen machen kann?

Eine e-Mail an den Kommissionspräsidenten schreiben?

Oder an die jeweils lokalen EU-Parlamentarier, auf dass sie den Wahnsinn stoppen?

Die bösen Besatzer…

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…gefunden auf Tzachs Blog “Affektives und Affektiertes”:

Liebe deine Feinde

Gesichter

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Selten genug ist es möglich, hier aber bekommen die Opfer des Terrors ein Gesicht, einen Namen und ihre ganz persönliche Geschichte; einer Geschichte, die wegen kruder, dummer Ideen gewaltsam beendet wurde.

In Gedenken an die Londoner, die den Wahnsinn von Fanatikern mit dem Leben bezahlt haben.
Stellvertretend für all die anderen Opfer.

Gefunden auf Justworld, dem Blog der Tagesspiegel-Autorin Caroline Fetscher.

Noch ein Opfer des Terrors

Abgelegt in: Politik

In den Nachrichten war die tragische Geschichte des Brasilianers Jean Charles de Menezes zu hören, der in London fälschlicherweise als Terrorist angesehen und von der Polizei erschossen wurde.
Mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen des Mannes. Das Vorgefallene berührt gerade deswegen, weil es jeden anderen von uns auch hätte treffen können. Und weil der Tod hier besonders sinnlos und grausam erscheint.

Nun werden Vorwürfe an die Polizei laut, von einer “Hinrichtung” ist die Rede.
Abgesehen davon, dass selbstverständlich untersucht werden muss, was genau falsch gelaufen ist - leichtfertig sollte man die Schuld nicht der Polizei aufladen.
Die Terroristen haben dieses Klima der Angst geschaffen. Ohne die tägliche Möglichkeit, dass zum Selbstmord entschlossene Menschen Bomben zünden, um möglichst viele Mitmenschen zu töten, wäre es nie zu diesem tragischen Vorfall gekommen. Das sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen, wenn man urteilt.

Und man sollte vielleicht einen Moment lang daran denken, wie es heutzutage sein muss, Polizist in solchen Situationen zu sein. Wie es sein muss, wenn man in jedem, der an einem begegnet, einen Menschen vor sich haben könnte, der im nächsten Moment zur lebenden Bombe wird. Man sollte sich vorstellen, man selbst hätte die Aufgabe, die Mitbürger vor solcher Gefahr zu schützen. Und man selbst könnte zudem jeden Moment der erste sein, der von der nächsten gezündeten Bombe getötet würde.

Gedenken wir Jean Charles de Menezes und seinen verständlicherweise von Wut, Verzweiflung und Trauer heimgesuchten Angehörigen.
Und denken wir an die eigentlichen Mörder dieses jungen Mannes - denken wir an die von einer totalitären Ideologie fanatisierten Mörder, die genau das beabsichtigt haben: Wut, Verzweiflung und Trauer in unserer Welt zu säen.

Schuld ist der Imperialismus!

Abgelegt in: Politik

Konnte man nach den Anschlägen in London bei Manchem untergründig wieder dieselbe Gefühlsregung spüren wie nach dem 11. September (”Traurig für die Opfer, aber verständlich, dass Menschen Hass auf dieses Land verspüren und deshalb solche schlimmen Dinge tun…”), ist es nach den Mordanschlägen in Ägypten mal wieder still.
So funktioniert selektive Wahrnehmung: Was nicht ins Bild passt, wird ausgeblendet.
Oder die Puzzleteile des Bildes werden so grob vereinfacht zusammengesetzt, dass anschließend genau das sicher feststeht, was man vorher ja schon wusste:

Schuld ist der US-Imperialismus, schuldig sind die Juden und Israel.

22.07.2005

Hat der MI5 die Islamisten unterwandert?

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Nicht allzu wahrscheinlich aber wenn, dann Anlass zur Hoffnung gebend:

Die Spekulation des ZEIT-Bloggers Dr.Bittner, das Versagen der zweiten Bombenserie in London könnte auf Sabotage durch eingeschleuste Geheimdienstler zurückzuführen sein.

Aus deutschen Geheimdienstkreisen hieß es ja immer, dass die kulturelle wie auch die sprachliche Barriere eine Unterwanderung der islamistischen Szene schwierig mache.
Wenn es denn doch glücken würde, hätte man ein erstes, wirklich effizientes Mittel gegen diese Verbrecher in der Hand.

Faschisten in Sicht!

Abgelegt in: Politik

Ab und zu muss das mal sein: Dann suche ich nach sonst achtlos in staubigen Ecken des Browsers herumliegenden Links und befriedige dunkle Gelüste nach Grusligem.
Bei der “Jungen Welt” wurde ich fündig. (Für alle westdeutschen oder zu jungen Menschen: Die JW ist eine Zeitung aus DDR-Zeiten, die sich kaum verändert hat. Schön, dass es solche Stabilität noch gibt, oder?)

Der Link führt zur wortreichen Deklaration eines Aufstands.
Die Herren Richter und Schmähling meinen, das Gewissen wäre zur Revolte geschritten. Und zwar in Form eines “Tribunals”, welches in Istanbul stattgefunden hat.
Gegen wen das (wessen eigentlich?) Gewissen dort im schönen Instanbul revoltiert hat?
Natürlich gibt es nur einen Feind (das kenne ich noch von früher aus eurem Blatt, liebe Jungweltler, und vom Genossen Staatsbürgerkundelehrer): den US-Imperialismus!

Neben Arundhati Roy, der Marianne der globalisierungskritischen Weltrevolution, waren zahlreiche “Experten” und “hochrangige Diplomaten” anwesend. Von irakischen Gästen liest man wenig.
Manche Vorwürfe verwirren allerdings den aufmerksamen Leser:

“Thomas Fasy, Professor für Pathologie an der Mount Sinai School of Medicine in New York, legte dem Tribunal Beweise vor, daß sich die Zahl mißgebildeter Babys im Irak zwischen 1990 und 2001 um das Siebenfache erhöht hat. Laut Fasy haben im Regierungsbezirk Basra die Fälle von an Krebs erkrankten Kindern unter fünf Jahren zwischen 1990 und 2002 um das 26fache zugenommen.”

Sollte das ein Argument für ein entschlossenes Eingreifen der Weltgemeinschaft sein? Schließlich besaß zu besagter Zeit Saddam Hussein noch all seine Paläste und all seine Macht.
Jener Saddam Hussein, der durch eine

“illegale Invasion und Okkupation”

auf verbrecherische Weise davon abgehalten wurde, weiter Gutes für sein Volk zu tun.

Und das Ergebnis dieses fairen Prozesses erstaunt nicht wirklich:

Einstimmiger Schuldspruch

Und nebenbei bekommen die Juden auch noch was auf die Mütze:

“Mit der Hegemonie über den Mittleren Osten wird … die Stärkung der Position des strategischen Alliierten der USA, Israel, erreicht.«

Schlimm, dass der US-Imperialismus auch noch das Verbrechen begeht zu verhindern, dass dieses Pack endlich ins Meer gejagt werden kann!
Aber was heißt hier “Imperialismus”? Da haben die deutschen Gewissensrevoluzzer doch noch Besseres im sprachlichen Munitionsdepot!

“Angesichts dieser extrem aggressiven US-Außenpolitik ist es nicht verwunderlich, daß immer häufiger Faschismusvorwürfe laut werden.”

So ganz offen möchten die Herren Richter und Schmähling dann doch nicht richten und schmähen. Sie überlassen es dem sich neutral gebenden Rapport “laut werdender Vorwürfe”.

“Die Aussage »Der ganze Irak ist ein einziges Gefängnis« wurde mit Beifall quittiert.”

Wenn das kein Beweis ist: Beifall vom versammelt revoltierendem Weltgewissen!
Was sind da schon die ersten freien Wahlen und eine sich bildende nationale Selbstverwaltung? Nichts, rein gar nichts!
Das Gewissen revoltiert, die Begriffe verrutschen und die Opfer islamistischen Terrors werden in Wirklichkeit von US-Faschisten, wahrscheinlich unterstützt durch ihre jüdischen Statthalter umgebracht - so einfach ist das!

PS: Was liest man da am unteren Rand des Beitrags?

“Dieser Artikel war nicht umsonst.”

Nein, das war er nicht. Ich habe lachen können, mich allerdings noch mehr gegruselt und würde die Junge Welt-Revolution auch gern mit einem Online-Abo unterstützen. Wenn ich nervlich in der Lage wäre, häufiger solchen DDR-Propaganda-Sprech, solche intellektuelle Geisterbahnfahrt auszuhalten.

Papst kneift: Gedenken an Terroropfer ist derzeit nicht opportun.

Abgelegt in: Politik

Die Freunde der offenen Gesellschaft haben in einem aktuellen Beitrag auf eine unglaublich klingende Geschichte hingewiesen, die sie auf den Seiten des Schweden Johan Norberg gefunden haben:

Der Vatikan hat ein geplantes Konzert des schwedischen Symphonieorchesters von Malmö abgesagt.
Das Konzert sollte an die Opfer des Terrors erinnern.

Der Vatikan meinte nun, diese Gedenkveranstaltung könnte ihm als öffentliche Stellungnahme zu den aktuellen Ereignissen ausgelegt werden. Und eine solche ist man nicht bereit zu geben.

Ist es nur das Fehlen von Rückrat?
Oder doch interreligiöse Beschwichtigungsstrategie, wenn die Folgen religiösen Fanatismus mal wieder sichtbar werden?

Umzug

Abgelegt in: Verschiedenes

Das Streiflicht ist also hierher umgezogen.
Die alte Adresse nur noch als Archiv, in dem man Boches erste Schritte in die Blog-Welt nachlesen kann.

Warum nun der Umzug?
Ganz einfach: Dieser Blog-Anbieter hier hat ein besseres Angebot und mehr nützliche Funktionen. Zum Beispiel habe ich die Möglichkeit des RSS-Feeds für Kommentare bei einigen Blogs sehr zu schätzen gelernt.

Also - auf ein Streiflicht in neuem Gewand!

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